Ansteckungsgefahr
Mit ohrenbetäubendem Kreischen stürmt eine Gruppe Jugendlicher in weiß-blau gestreiften Badekappen die Bühne, unter dem donnernden Stakkato eines Pianos. Sie posieren. Sie grimassieren. Dann singen sie. Im kleinen, von Leuchtröhren erhellten Chorsaal im vierten Stock des Theaters an der Wien hat das Team um das Regie-Duo Catherine Leiter und Beate Göbel alle Hände voll zu tun: die erste Probe im Kostüm. Alle Beteiligten haben anstrengende Monate hinter sich. Schließlich gilt es, eine nagelneue Oper aus der Taufe zu heben.
«Capriccioso oder Die Launen der Oper» handelt – in Anlehnung an Strauss’ «Capriccio» – von einer Adelsfamilie, die bei der Vorbereitung einer musikalischen Geburtstagsüberraschung in eine Debatte über die Bedeutung von Text und Musik in der Oper und die Rolle der Kunst in der Gesellschaft gerät. Vertreter verschiedenster musikalischer Stoßrichtungen treffen hier aufeinander – Zwist vorprogrammiert. Dabei orientiert sich zwar das Sujet an Strauss’ Konversationsoper, nicht aber die Partitur – obwohl es, was Anleihen aus der Musikgeschichte betrifft, ansonsten «ziemlich wild zugeht». Florian C. Reithner, der das Stück in enger Abstimmung mit den jungen Darstellern ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Aus der Werkstatt, Seite 49
von Martin Knuhr
Das Leben, ein Spiel
Mit zwei ehrgeizigen Produktionen bringt sich De Nationale Opera Amsterdam beim Holland Festival ein. Mariss Jansons dirigiert eine von Stefan Herheim inszenierte «Pique Dame», Louis Andriessen bringt sein neues Stück heraus: «Theatre of the World».
Grenzgänger
Mit dem Schreiben von Bühnenmusiken fing alles an. Dann begann David Marton eigene...
Alle wollten ihre Stoffe, ihre Schnitte, ihre Farben. Peter Stein, dessen Berliner Schaubühnen-Ensemble sie über mehr als zwei Jahrzehnte in Kleider steckte, die wahre Leute machten. Klaus Michael Grüber und Robert Wilson, George Tabori und Patrice Chéreau, der Moidele Bickel u. a. für seinen Salzburger «Don Giovanni» (1994) und sein Filmepos «Die...
Vor einem Vierteljahrhundert schien der Begriff «Volk» willkommen, vor allem durch die Parole frei nach Georg Büchner, die zur Wende führte. Mittlerweile scheint das Volkshafte jedoch wieder gefährlich beim «Völkischen» anzuklopfen, und auch das Volkslied hat diesbezüglich erneut einen gewissen Ruch nationaler Enge gewonnen. Dass Christian Gerhaher also dieses...
