Kabale und Liebe
Eva-Maria Höckmayr scheint eine Vorliebe für Bühnentote zu haben. Wie schon in ihrer Berliner «Poppea» liegt die Leiche im Halbfeld links; irgendjemand hat ihre Umrisse auf den Boden gemalt. Doch wie es das Wunder will und ebenso die Musik, erhebt sich, kaum ist aus dem Off der unheilvolle Schuss gefallen, der arme Riccardo, während im Graben sein und Amelias Thema erklingt, jene sehnsuchtsreiche, punktiert erst aufsteigende, dann chromatisch herabsinkende Kantilene, die beides enthält: das Leben und den Tod.
Und weil die Regisseurin Verdis «Un ballo in maschera» genauestens studiert hat, gleiten in diesen viereinhalb Minuten auch die Frauen und Männer des Weimarer Opernchors sowie einige Studenten der Hochschule für Musik Franz Liszt auf die lamellengesäumte, leere Bühne von Volker Thiele: Verbündete in pastoralem Dur, Verschwörer in trübem Moll.
Die Masse als singende Macht. In getragenen Vierteln die Getreuen, in tapsenden Staccato-Achteln die von Samuel (ein schwarz-sinistrer Bass: Daeyoung Kim) und Tom (ein luftiger Tenor: Andreas Koch) angeführten Gegner. Was sie verbindet, ist die Maskierung. Keiner zeigt sein wahres Gesicht. Auch Oscar nicht, der hier erkennbar eine – ...
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Weltabschiedsweise tönt es gleich mit den ersten Takten aus dem Orchestergraben – mit einem Zitat aus dem dritten Aufzug von Wagners «Parsifal». Der Blick ins Libretto von Yona Kim, die ihre eigenen Szenenanweisungen als Regisseurin der Uraufführung freilich durchweg ignoriert, offenbart für das Vorspiel von Peter Ruzickas dritter Oper dazu passend «eine Lichtung...
Ambivalente Gefühlswelten der Liebe lotet die französische Sopranistin Sandrine Piau in ihrer neuesten Solo-CD aus, die sie unter dem Titel «Chimère» – (zu deutsch: Hirngespinst, hier vielleicht besser übersetzt mit: schillernde Täuschung) – veröffentlicht hat. Mit ihr beschließt sie ihr Triptychon von Kunstlied-Programmen, das sie – stets an der Seite von Susan...
«Wählt der Herr einen heil’gen Stoff?» Das fragen die Meistersinger von Nürnberg ihren Vorsingkandidaten Walther von Stolzing, wobei die Antwort, jedenfalls aus Sicht der Meister, etwas diffus ausfällt: «Was heilig mir, der Liebe Panier schwing ich und sing ich.»
Auch Bejun Mehta schwingt auf seinem neuen Album «Cantata – yet can I hear ...» solcherart zwischen...
