Kabale und Liebe
Eva-Maria Höckmayr scheint eine Vorliebe für Bühnentote zu haben. Wie schon in ihrer Berliner «Poppea» liegt die Leiche im Halbfeld links; irgendjemand hat ihre Umrisse auf den Boden gemalt. Doch wie es das Wunder will und ebenso die Musik, erhebt sich, kaum ist aus dem Off der unheilvolle Schuss gefallen, der arme Riccardo, während im Graben sein und Amelias Thema erklingt, jene sehnsuchtsreiche, punktiert erst aufsteigende, dann chromatisch herabsinkende Kantilene, die beides enthält: das Leben und den Tod.
Und weil die Regisseurin Verdis «Un ballo in maschera» genauestens studiert hat, gleiten in diesen viereinhalb Minuten auch die Frauen und Männer des Weimarer Opernchors sowie einige Studenten der Hochschule für Musik Franz Liszt auf die lamellengesäumte, leere Bühne von Volker Thiele: Verbündete in pastoralem Dur, Verschwörer in trübem Moll.
Die Masse als singende Macht. In getragenen Vierteln die Getreuen, in tapsenden Staccato-Achteln die von Samuel (ein schwarz-sinistrer Bass: Daeyoung Kim) und Tom (ein luftiger Tenor: Andreas Koch) angeführten Gegner. Was sie verbindet, ist die Maskierung. Keiner zeigt sein wahres Gesicht. Auch Oscar nicht, der hier erkennbar eine – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Theater Hagen gehört zu den am stärksten abwicklungsbedrohten Kulturinstitutionen in den alten Bundesländern. Das ist nichts Neues für das 1911 eröffnete Haus: Seit Jahrzehnten sieht es sich Fusionsversuchen und finanziellen Kürzungen ausgesetzt. Schon der bis 2017 amtierende Intendant Norbert Hilchenbach hatte angesichts der klammen Kassen der Kommune...
Heiner Müller hielt es mit Mephisto: «Du grinsest gelassen über das Schicksal von Tausenden hin.» Fausts Vorwurf, bekannte der Chefdramatiker des deutschen 20. Jahrhunderts kurz nach dem Ende der DDR, beschreibe «eine Haltung, von der ich mich nicht freisprechen kann. Die ist gewachsen in den zwei Diktaturen, die ich erlebt habe.» Seine «Rüstung» gegen die auf...
Gott ist tot? Von wegen. Allgegenwärtig ist er, allwissend, allmächtig. Und vor allem laut. Ungezählte Male an diesem Abend ist sein (elektronisch gesteuerter) Donner im weiten Rund der Komischen Oper Berlin zu vernehmen, und mag es geschlagene eineinviertel Stunden dauern, bis wir Jupiters endlich ansichtig werden (verkleidet, als vornehmem...
