DIE HELDEN sind müde
Hüpfende Quadrate, kreisende Kaleidoskope und ineinander verschlungene Helixe flimmern in unaufgeregtem Schwarzweiß über die Leinwand des Babylon-Kinos am Rosa-Luxemburg-Platz. Es ist eine der vielen Spielstätten, die im Rahmen des BAM!-Festivals eine bunte Auswahl musiktheatralischer Neuschöpfungen zeigen. Neben den jungen Wilden der freien Szene sind auch alte Hasen dabei, wie etwa Herbert Fritsch, der ein 70-minütiges Filmkonzert namens «Bilderschoner» beigesteuert hat.
Während des Lockdowns experimentierte Fritsch auf seinem Laptop mit abstrakten Formen, die nun von den Musikern Ingo Günther und Taiko Saito an Piano und Vibrafon live begleitet werden.
Der erfahrene Zuschauer merkt sofort: Hier haben wir es mit einer Kritik an der Reizüberflutung durch visuelle Medien zu tun! Das ständige Bombardement aus bewegten Bildern, das fester Bestandteil unseres Alltags geworden ist, wird durch die Beliebigkeit der geometrischen Formen in überzeichneter Form reproduziert und in Frage gestellt. Diese Art der Gesellschaftskritik ist schön und gut, wirklich neu ist sie nicht. Weil die fließenden Formen irgendwie an Pausenbilder alter Windows-Computer erinnern, mutet das ganze eher ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Magazin, Seite 102
von Anna Schors
Sie waren wohl das, was man ein Traumpaar nennt: der Regisseur Luc Bondy und der Komponist Philippe Boesmans. Vier Arbeiten realisierten die beiden fantasiebegabten Naturen, drei davon am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, wo Boesmans seit Mitte der 1980er-Jahre als Hauskomponist wirkte; er schrieb die Musik, Bondy verfasste das Libretto, führte Regie. Und...
Hier hat die Abrissbirne gewaltig zugeschlagen! Opernregie-Debütant Edoardo De Angelis – er kommt vom Film – bemüht sich erst gar nicht, zu Beginn von Puccinis «Tosca» einen schönen Nachbau der Kirche Sant’Andrea della Valle zu zeigen (beziehungsweise von Mimmo Paladino errichten zu lassen). Auf der großen Bühne des Teatro San Carlo in Neapel sehen wir ein...
Wie das Idyll klingt, wenn es besungen wird? Vielleicht so: zart und irisierend in seinen stimmlichen Nuancen, anmutig und sanft in den aufgelockerten, sanft dahinfließenden Begleitfigurationen des Klaviers; als Ganzes versehen mit einem Aroma, das nach Frühling duftet, nach wolkenlosem Himmel, roten Rosen und durch Sonnenstrahlen hindurch flatternden...
