Noch nicht genug!
Aufführung ohne Interpretation, geht das? Immer und immer wieder ist es behauptet worden – von Igor Strawinsky, der seine Musik lieber dem mechanischen Musikinstrument Pleyela überantwortete als den Interpreten seiner Zeit, und ebenfalls von einem unverdächtigen Dirigenten wie Günter Wand, der für sich in Anspruch nahm, in seinem Tun ausschließlich auf den Notentext zu reagieren. Nun hat auch Andreas Homoki, Intendant des Opernhauses Zürich, diese Fährte aufgenommen.
Seine Inszenierung von Richard Wagners «Ring des Nibelungen», die mit «Rheingold» eröffnet wurde und im Lauf der beiden kommenden Spielzeiten vollendet werden soll, möchte nicht eine Deutung der von Wagner erdachten Vorgänge zeigen, sondern die Vorgänge selbst. Der Regisseur mithin nicht als Interpret, sondern als Spielleiter, der szenisch lebendig werden lässt, was Wagner zu Papier gebracht hat. Zurück zum Text selbst, zu den Ursprüngen, so lautet Homokis Maxime – eine Haltung, die sich nicht zuletzt an der Tatsache orientiert, dass Wagners «Ring» zu großen Teilen in Zürich entstanden ist.
Wenn sich nach den ersten, noch im Dunkel erklingenden Takten des Vorspiels die Szene erhellt, wird eine Drehbühne sichtbar: der ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Peter Hagmann
Mit seinen mehr als 400 Liedern gehört der Schweizer Othmar Schoeck zu den produktivsten musikalischen Lyrikern des 20. Jahrhunderts. Im Konzert begegnet man den originellen, stilistisch zwischen Spätromantik und Moderne vermittelnden Kompositionen höchst selten. Selbst eine 2017 erschienene Gesamtedition seines Liedœuvres auf zwölf CDs hat nichts daran geändert....
Am Ende, als die Buhrufe über Calixto Bieito niedergingen wie ein Platzregen, formte der spanische Regisseur mit den Händen ein Herz in Richtung seiner Kritiker, so als wolle er sagen: Das ist doch die Oper der alle Grenzen überschreitenden Liebe: Wagners «Tristan und Isolde». Direktor Bogdan Roščić hat dem Staatsopernpublikum, das bei Neuinszenierungen generell...
