Jenseits der Linearität
Die Staatsoper Unter den Linden eröffnet ihren Premieren-Reigen traditionell am Tag der Deutschen Einheit und wählt dafür gern ein symbolträchtiges Stück. In diesem Jahr war es Luca Francesconis «Quartett» nach dem gleichnamigen Theaterstück von Heiner Müller. Der Dramatiker imaginiert darin die Hauptfiguren von Choderlos de Laclos’ Briefroman «Liaisons dangereuses», die Intrigantin Merteuil und den Verführer Valmont, als ehemaliges Paar, das sich noch einmal seine gegenseitige Abneigung und Abhängigkeit vorspielt, bis hin zum Geschlechtertausch.
In der steilen Abwertung und Unterordnung von Menschen durch Sex und Gewalt, Machination und Verführung scheint zugleich ein politischer Gehalt verschlüsselt.
Der 1956 geborene Francesconi hat das Stück ursprünglich in englischer Übersetzung vertont, für diese Aufführung aber Müllers deutsches Original zugrunde gelegt: Damit wird zwar die enorme Kälte und sexuelle Drastik des Textes in den Übertiteln ungefiltert lesbar – aber auch klar, dass Francesconis Vertonung mit dieser Tonlage nichts anzufangen weiß. Die Gesangsstimmen verbleiben im Modus expressiver Rede, während der Orchesterpart – verdoppelt durch ein elektronisches und im Raum ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 31
von Peter Uehling
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats November 2020. Aktuelle Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link: www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML = Musikalische Leitung
I =...
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«Ein Verbrechen, das einem die Krone bringt, ist keines.» Fast beiläufig lässt Lottario, der Enkel Karls des Großen, im Rezitativ diese Bemerkung fallen. Ein Credo – nicht nur seines, sondern dieser ganzen schrecklichen Familie, überhaupt all jener, deren Macht- und Besitzgeilheit sie über Leichen steigen lässt. Der Erste verröchelt schon am Boden, während George...
