Puppenzauber
Reduktion heißt die künstlerische Sparmaßnahme der Stunde, mit der die Opernhäuser den Corona-Vorschriften genügen. Dass weniger auch mehr sein kann, zeigte die Premiere von Mozarts «Entführung aus dem Serail» zur Saisoneröffnung am Dortmunder Opernhaus. Gewiss, die Partitur musste Federn lassen. Einige Nummern entfielen, die verbliebenen waren gekürzt, die Sprechrolle des Bassa Selim gestrichen.
Das auf zehn Instrumente (Streichquartett, Kontrabass, Flöte, Oboe, Fagott, Schlagzeug und Hammerflügel) abgespeckte Orchester wirkte im Graben zunächst arg verloren, musizierte unter der Leitung von Motonori Kobayashi aber mit pfiffiger Verve und viel Schmackes. Unter den rechts und links am Bühnenrand auf- und abtretenden Sängern machten Sungho Kims schwärmerischer Belmonte und Denis Velevs wendiger Osmin – beides vielversprechende junge Stimmen – mit Nachdruck auf sich aufmerksam, während Sooyeon Lees Blonde etwas blass blieb und Irina Simmes die beiden ihr belassenen Konstanze-Arien mit engem, in der Höhe angeschärftem Ton vortrug.
Dass aus der musikalischen Not ein szenisches Ereignis wurde, verdankte sich der ästhetischen Volte des für den Abend verantwortlichen österreichischen ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Uwe Schweikert
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