Jenseits der Klischees
Ein ähnliches Setting des Stücks hatte 2019 auch Regisseur Floris Visser dem Publikum am Badischen Staatstheater Karlsruhe beschert: Das vermeintliche Einheitsbühnenbild hat einen Zwilling auf der Drehbühne. So auch an der Opéra national du Rhin. Zweimal hat Christof Hetzer seinen perspektivisch stark nach hinten verjüngten Raum mit der Ornamenttapete gebaut – anders wären die schnellen Umbauten im Inneren sicher nicht möglich gewesen.
Lotte de Beers Neudeutung von Offenbachs musikalischer Dernière «Les Contes d’Hoffmann», eine Koproduktion mit der Volksoper Wien und der Pariser Opéra-Comique, zielt indes vor allem auf eines: die Psychologie der Titelfigur jenseits der Klischees. Die Botschaft, dass die einzige Frau, der er, das Genie, gehören darf, seine Muse ist, treibt ihm am Ende genau diese Frau gehörig aus: Es gebe keinen Menschen für diese Rolle, weder im Leben noch in der Kunst. Zu dem Zeitpunkt ist der romantisierende Lack ohnedies schon ab von der Titelfigur. Die ironisierten Dialoge Peter te Nuyls tragen als kritische Metaebene maßgeblich dazu bei, dass Offenbachs Oper neben all ihrer bezaubernden Musikalität auch an programma -tischer Tiefenschärfe gewinnt.
Dieser ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Alexander Dick
Der Züricher Musikwissenschaftler Laurenz Lütteken hat im vergangenen Jahrzehnt mehrere wichtige Monographien vorgelegt – zu Mozart, Richard Strauss, zur Musik der Renaissance und, unter dem Titel «Der verborgene Sinn», eine gleichermaßen originelle wie bedeutende Studie über «Verhüllung und Enthüllung in der Musik». Um das, was uns die Musik zu bedeuten hat und...
Unter den Werken seiner berühmten Galeerenjahre gilt Verdis Opera buffa «Un giorno di regno» als der Worstseller. Die Verwechslungskomödie um den «falschen» polnischen «König für einen Tag» entpuppte sich als Oper für einen Tag, fiel sie doch bei ihrer Premiere am 5. September 1840 an der Mailänder Scala gnadenlos durch und wurde sofort abgesetzt. Zu Verdis...
Gegen Ende findet Oronte doch noch sein Glück, Gyula Rab singt vom «momento di contento». Das macht er sehr schön, allerdings ist der Gute etwas abgelenkt, er wäscht dabei nämlich sein Auto, das von der Unterbühne nach oben gelangte. Ob also das Glück, das er nun empfindet, tatsächlich von dem Wiederfinden der Liebe zu Morgana herrührt, darüber kann man zweifeln,...
