Ausgezaubert
Gegen Ende findet Oronte doch noch sein Glück, Gyula Rab singt vom «momento di contento». Das macht er sehr schön, allerdings ist der Gute etwas abgelenkt, er wäscht dabei nämlich sein Auto, das von der Unterbühne nach oben gelangte. Ob also das Glück, das er nun empfindet, tatsächlich von dem Wiederfinden der Liebe zu Morgana herrührt, darüber kann man zweifeln, ist ihm doch das Fahrzeug wichtiger, obwohl die beiden einen Kinderwagen schieben.
Auf jeden Fall sind sie ein hübsch spießig gekleidetes Paar, Rab und Andreja Zidaric, die zuvor als aufreizendes Wesen mit pointierender Stimme über die Bühne schlängelte.
Zuvor war man zu Gast auf Alcinas Eiland. Händels letzter großer Opernhit spielt ja auf dieser Insel, wo die Titelheldin Menschen in Tiere oder Landschaften verwandelt und Ruggiero als ihren Geliebten hält. Bradamante, seine Frau, sucht ihn, unterstützt von Melisso, Morgana, Alcinas Schwester, verliebt sich auf den ersten Blick in die als Mann reisende Bradamante. Dann gibt es noch den eifersüchtigen Oronte sowie den jungen Oberto, der seinen in einen Löwen verwandelten Vater sucht. Man kennt das, «Alcina» wird oft gespielt, wie jetzt am Münchner Gärtnerplatztheater. Oft ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Egbert Tholl
Hans-Klaus Jungheinrich, lange Zeit der Musikkritiker der «Frankfurter Rundschau», starb vor sechs Jahren. Seine Bücher waren gefeiert worden. Sein Tod hinterließ eine Leerstelle. Kaum jemand hat sich Zeit seines Lebens so mit Musik beschäftigt wie er, so darüber nachgedacht, geschrieben, gesprochen. Menschen pilgerten zu ihm, lasen seinetwegen das Feuilleton des...
Ein ähnliches Setting des Stücks hatte 2019 auch Regisseur Floris Visser dem Publikum am Badischen Staatstheater Karlsruhe beschert: Das vermeintliche Einheitsbühnenbild hat einen Zwilling auf der Drehbühne. So auch an der Opéra national du Rhin. Zweimal hat Christof Hetzer seinen perspektivisch stark nach hinten verjüngten Raum mit der Ornamenttapete gebaut –...
Das Bildnis eines jungen Helden, das doch eher eine junge Heldin zeigt, fängt an zu singen. Kurz darauf wandelt die hoch gewachsene brünette Dame, die wir als Wiedergängerin des Ritters Orlando erkennen, leibhaftig über die Bühne des Théâtre du Châtelet. So denn das Zeitalter des Barock, in dem selbst Furien mittels der Magie der Musik besänftigt werden, sich auf...
