Ausgezaubert
Gegen Ende findet Oronte doch noch sein Glück, Gyula Rab singt vom «momento di contento». Das macht er sehr schön, allerdings ist der Gute etwas abgelenkt, er wäscht dabei nämlich sein Auto, das von der Unterbühne nach oben gelangte. Ob also das Glück, das er nun empfindet, tatsächlich von dem Wiederfinden der Liebe zu Morgana herrührt, darüber kann man zweifeln, ist ihm doch das Fahrzeug wichtiger, obwohl die beiden einen Kinderwagen schieben.
Auf jeden Fall sind sie ein hübsch spießig gekleidetes Paar, Rab und Andreja Zidaric, die zuvor als aufreizendes Wesen mit pointierender Stimme über die Bühne schlängelte.
Zuvor war man zu Gast auf Alcinas Eiland. Händels letzter großer Opernhit spielt ja auf dieser Insel, wo die Titelheldin Menschen in Tiere oder Landschaften verwandelt und Ruggiero als ihren Geliebten hält. Bradamante, seine Frau, sucht ihn, unterstützt von Melisso, Morgana, Alcinas Schwester, verliebt sich auf den ersten Blick in die als Mann reisende Bradamante. Dann gibt es noch den eifersüchtigen Oronte sowie den jungen Oberto, der seinen in einen Löwen verwandelten Vater sucht. Man kennt das, «Alcina» wird oft gespielt, wie jetzt am Münchner Gärtnerplatztheater. Oft ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2025
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Egbert Tholl
Dass die in Moskau ansässige «Nowaja Opera» mit Samuel Barbers «Vanessa» ein Werk aus einem, laut offizieller Einschätzung «unfreundlichen Land» auf ihren Spielplan setzt, ohne sich für dessen offenkundig boulevardesken Charakter zu schämen, unterstreicht erneut die radikale Entschlossenheit der Direk -tion zu einem «unkonventionellen Verhalten». Sämtliche Bühnen...
Die Einschätzung stammt aus berufenem Munde. Dieter Schnebel war Anfang der 1990er-Jahre der Lehrer von Michael Wertmüller, und was er, ein Dezennium später, wortreich wie bildmächtig zu Protokoll gab, darf mit winzigen sich verändernden Nuancen auch noch heute für den Schweizer Komponisten gelten: Dessen Musik, so Schnebel, sei «einerseits von roher Kraft,...
Ein ähnliches Setting des Stücks hatte 2019 auch Regisseur Floris Visser dem Publikum am Badischen Staatstheater Karlsruhe beschert: Das vermeintliche Einheitsbühnenbild hat einen Zwilling auf der Drehbühne. So auch an der Opéra national du Rhin. Zweimal hat Christof Hetzer seinen perspektivisch stark nach hinten verjüngten Raum mit der Ornamenttapete gebaut –...
