Jedenfalls ein Neuanfang
Zu den großen Opernfiguren, die nicht mit Empathie rechnen dürfen, gehört die Küsterin in Leoš Janáčeks «Jenůfa». Dass es nicht das Glück der jungen Frau ist, für das Buryja zur Kindermörderin wird, sondern ihr bigotter Wunsch, die Ziehtochter noch gut verheiraten und damit den eigenen Ruf retten zu können, macht sie zur gemeingefährlichen Vertreterin bürgerlicher Selbstzufriedenheit.
Dramaturgisch aber zählt das zum Besten, was auf der Bühne zu finden ist.
In dem Moment, in dem die Küsterin Laca gegenüber versichert, das unehelich geborene Kind Jenůfas und seines Rivalen sei tot, der Weg zur Hochzeit also frei, lebt das Menschenküken ja noch. Es schlummert nebenan, jetzt aber zum Tode verurteilt. Wenn eine Sängerin die Küsterin so intensiv darstellt, wie Kirsi Tiihonen das nun in Heidelberg macht, begreift man, wie diese lebensverbitterte Frau das ihrerseits begreift. Es graut ihr vor sich selbst, aber sie wird das Schlimme trotzdem tun – und damit garantiert nicht glücklich werden. Und das nicht nur, weil die Leiche des Säuglings unterm Eis entdeckt wird, als es taut. Sie verliert bereits vorher völlig die Nerven und bleibt als zerstörter Mensch übrig. Dennoch wird niemand ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Judith von Sternburg
Es ist nicht mehr als ein Wort, ein Wörtchen nur – der winzige Seufzer «Ah!». Was Camille Saint-Saëns daraus aber macht in der Vokalise «Le Rossignol et la rose» aus seiner weithin unbekannten Bühnenmusik zu Jane Dieulafoys Schauspiel «Parysatis», weist ihn als ingeniösen Komponisten aus. Wie auf einer Wolkenbank schwebt die Stimme der Nachtigall, von...
Wie viele Zwangsehen wurden aus Staatsräson geschlossen? Die von Lucia und Arturo hält bekanntlich nur eine Nacht und endet blutig. In Lübeck erlebt ein gebanntes Publikum diesen Schluss bei Donizettis «Lucia di Lammermoor» so, als hätte der Aktionskünstler Hermann Nitsch Pate gestanden. Dessen Erwähnung versteht sich hier nicht im Sinne von Publikumsprovokationen,...
Bald lautet das Motto fürs Kasseler Opernhaus «Und nu ist zu!». Es wird saniert, mehrere Jahre lang. Musiktheater gibt es in der Ausweichspielstätte mit dem passend-schönen Namen «Interim». Mal abwarten, ob das Ganze keine Dauerlösung wird ...
Indes war es konsequent, mit der letzten Premiere im baufälligen Haus Julia Lwowski zu beauftragen, die sich schon oft als...
