Jedenfalls ein Neuanfang

Sonja Trebes erzählt Janáčeks «Jenůfa» am Theater Heidelberg als Geschichte einer in Teilen erfolgreichen Emanzipation

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Zu den großen Opernfiguren, die nicht mit Empathie rechnen dürfen, gehört die Küsterin in Leoš Janáčeks «Jenůfa». Dass es nicht das Glück der jungen Frau ist, für das Buryja zur Kindermörderin wird, sondern ihr bigotter Wunsch, die Ziehtochter noch gut verheiraten und damit den eigenen Ruf retten zu können, macht sie zur gemeingefährlichen Vertreterin bürgerlicher Selbstzufriedenheit.

Dramaturgisch aber zählt das zum Besten, was auf der Bühne zu finden ist.

In dem Moment, in dem die Küsterin Laca gegenüber versichert, das unehelich geborene Kind Jenůfas und seines Rivalen sei tot, der Weg zur Hochzeit also frei, lebt das Menschenküken ja noch. Es schlummert nebenan, jetzt aber zum Tode verurteilt. Wenn eine Sängerin die Küsterin so intensiv darstellt, wie Kirsi Tiihonen das nun in Heidelberg macht, begreift man, wie diese lebensverbitterte Frau das ihrerseits begreift. Es graut ihr vor sich selbst, aber sie wird das Schlimme trotzdem tun – und damit garantiert nicht glücklich werden. Und das nicht nur, weil die Leiche des Säuglings unterm Eis entdeckt wird, als es taut. Sie verliert bereits vorher völlig die Nerven und bleibt als zerstörter Mensch übrig. Dennoch wird niemand ...

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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Judith von Sternburg

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