Über die Schmerzgrenze hinaus
Aktueller kann Oper kaum sein: Vor gerade mal einem halben Jahr erschien die deutsche Übersetzung von Colum MacCanns «American Mother», und bereits Ende Mai kam die Uraufführung der gleichnamigen Oper im Hagener Theater heraus. Das Libretto schrieb der hochdekorierte, in Irland geborene und in New York lebende Buchautor selbst für die britische Komponistin Charlotte Bray, die zuvor vom scheidenden Hagener Intendanten gebeten wurde, anlässlich seiner Demission eine Oper zu schreiben.
So gehen kurze Wege im sonst so trägen Musiktheater – beinahe wie zu Mozarts bewegten Zeiten, als Beaumarchais’ für Furore sorgendes Theaterstück «La folle Journée ou Le Mariage de Figaro» fast in Windeseile von Lorenzo Da Ponte zum Libretto für die Oper «Le nozze di Figaro» verarbeitet wurde.
Nicht viele Intendanten gehen das Risiko ein, sich ausgerechnet mit einer schwer kalkulierbaren Uraufführung zu verabschieden. Für Francis Hüsers, der während seiner Intendanz so manches schier Unmögliche wahr machte, war das gemeinsam mit seinem ebenfalls scheidenden GMD Joseph Trafton von Anfang an gesetzt, erzählt er, spürbar erleichtert, nach der fulminanten Uraufführung: «Wir hatten immer schon geplant, dass ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 30
von Regine Müller
Nicht bloß Johann Strauss, der Walzerkönig, sondern auch ein vermeintlicher König der Intrigen kommt 2025 zu Ehren. Denn Antonio Salieri, vor 275 Jahren in Legnano geboren und vor 200 Jahren in Wien verstorben, hat bis heute keine gute Presse. Auch Peter Shaffer und Miloš Forman förderten die Vermutung, der eifersüchtige Salieri habe seinem jüngeren Konkurrenten...
Auf den Titelblättern der Programmhefte dieser beiden Musiktheater-Novitäten prangt (sie sind im selben Hellrot wie das Schriftlogo «Staatsoper Hamburg» gesetzt) eine Zahl, die Bände sprechen soll. Eine «22» für Unsuks Chins «Die dunkle Seite des Mondes», eine «23» für Rodolphe Bruneau-Boulmiers «Die Illusionen des William Mallory». Das Leitungsduo des Hauses an...
Es ist nicht mehr als ein Wort, ein Wörtchen nur – der winzige Seufzer «Ah!». Was Camille Saint-Saëns daraus aber macht in der Vokalise «Le Rossignol et la rose» aus seiner weithin unbekannten Bühnenmusik zu Jane Dieulafoys Schauspiel «Parysatis», weist ihn als ingeniösen Komponisten aus. Wie auf einer Wolkenbank schwebt die Stimme der Nachtigall, von...
