Bravissimo!
Iside, schöne, stolze Tochter des Flussgottes Inachos und verlobt mit dem ägyptischen König Osiris, ist, man kann es nicht anders sagen, sauer. Ach, was: Enragiert und fuchsteufelswild ist sie. Also schleudert sie ihre erklecklichen thymotischen Energien heraus wie eine Furie – so furios, dass wohl selbst Jupiter, oberster olympischer Casanova, lieber das Weite suchen würde. Dafür hat Antonio Lotti in seiner 21.
Oper (der Mann war wirklich fleißig, sucht aber bis heute vergeblich nach dem gerechten Lohn für seine Kunst) mit dem schönen Titel «Giove in Argo» Töne und Klänge gefunden, die auf höchstem Niveau die höchste Erregung der Gottestochter mit Grandezza darzustellen wissen.
Was Lotti nicht wissen konnte: Mehr als 300 Jahre gingen ins Land, bevor jemand auf die Idee verfiel, die Arie der Iside «Con fiamme, e con straggi» auf eine kleine Silberscheibe zu bannen und sie damit (fast) für die Ewigkeit zu retten. Sophie Junker und das von seiner Konzertmeisterin Martyna Pastuszka geleitete {Oh!} Orkiestra haben es nun getan und sorgen für einzigartiges Hörerglück. Was für ein Wurf! Was für eine Wucht und eine Verve! Schon die instrumentale Einleitung gleicht einem Gewitter, das ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Medien, Seite 35
von Jürgen Otten
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