Weihrauch ist ihm fremd
Schlägt man das Kapitel zu Anna Netrebko in Jürgen Kestings Monumentalwerk «Die großen Sänger» auf, so spürt man sofort, dass den Autor die Kunst in ihrer ganzen Welthaltigkeit interessiert: als Ware, als Medienphänomen und als Gegenstand eminenter Eigenbedeutsamkeit.
Kesting zitiert dort Rudolf Gröger, den damaligen CEO des Mobilfunkunternehmens O2, mit der Einschätzung, Anna Netrebko sei «eine junge Wilde – ehrgeizig, aufgeschlossen und ohne Allüren. Sie spricht eine hochwertige Zielgruppe an».
Wir begegnen der russischen Sopranistin zunächst als einem zielgruppenoptimierten Produkt. Danach untersucht Kesting die Sprache der Rezensenten und erkennt in den «flotten Floskeln», wie er sie nennt, über die «warmstimmige Sopranistin, die aus der Kälte kam» und «Koloratur mit Köpfchen und Kampfeslust» genau jenen «Zeitgeist, der nichts mehr schätzt als Superlative unverbindlicher Allgemeinheit».
Doch dann nimmt Kesting die Sängerin als solche ernst, wie er die Reaktionen des Publikums ernst nimmt, das bei Netrebkos Auftritten und Aufnahmen das verspüre, «was in der Emotionsforschung als Chill bezeichnet wird». Kesting attestiert Netrebko «ein außergewöhnliches sängerisches Talent», ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Jan Brachmann
Es war ein Ritterschlag. Franz Lehár, der von Zeitgenossen wie Karl Kraus oder Richard Strauss Geschmähte, durfte am 20. Jänner 1934 seine Uraufführung an der Wiener Staatsoper landen, dem musikalischen Musentempel schlechthin der alten k. u. k. Monarchie. Nicht Oper, nicht Operette: «Musikalische Komödie» hat der damals bald 64-Jährige sein letztes Bühnenwerk...
Zwischen dem Sockel des Bronzeengels von Peter Anton van Verschaffelt und dem Straßenniveau liegen etwa 48 Meter. Kaum ein Körper, der von der Spitze der Engelsburg in Rom springt, würde unversehrt bleiben. Doch in der Opernwelt ist alles möglich, sogar dass eine der berühmtesten Selbstmörderinnen der Operngeschichte diesen Sprung überlebt. Floria liegt also auf...
Der Plan war beinahe genial: eine Opiumhöhle in San Franciscos Chinatown. Der zwielichtige Inhaber Cim-Fen will sich in der Stadt nach oben kämpfen, gerät auf die schiefe Bahn, entführt ein Kind, wird zum Mörder des Nebenbuhlers, muss alles mit dem Leben bezahlen, und mittendrin Jonas Kaufmann. So hatte man sich dies an der Bayerischen Staatsoper eigentlich gedacht...
