Janácek: Katja Kabanova
Alles ist offen. In der Kleinbürgermietskaserne samt tristem Innenhof fehlen die Wände. Jeder kann jeden sehen. Nur eine hat einen Vorhang, die Kabanicha, unangefochtene Herrscherin über den Block. Eine Domina im doppelten Sinne: Blockwart und sexuelle Herrscherin über Kaufmann Dikoj (Stephen Owen), dem sie mit der Peitsche zu Leibe rückt. Damit die anderen nicht sehen, wenn Sittenstrenge über die Stränge schlägt, braucht diese Kabanicha einen Sichtschutz.
Das Bühnenbild von Gabriele Rechs «Katja»-Neuinszenierung ist ein Blickfang und zugleich verdichtetes, in eine undefinierte Gegenwart geholtes Sinnbild für die Enge der Personenkonstellation. Raum für kleine oder große Fluchten gibt es nicht. Nur ein klitzekleines Gärtchen für die Auszeit. Hier entspannen sich der freigeistige Lehrer Kudrjasch und seine Barbara; hier vereinbaren Katja und Boris (Thomas Piffka) Liebesnächte; hier zeigt sogar die Kabanicha ein wenig Gefühl, wenn sie welke Blütenblätter abzupft.
Bühnenbild und Inszenierung fanden in Kassel Zustimmung, auch die durchweg guten schauspielerischen Leistungen. Beim Gesang musste man Abstriche machen. Die Titelrolle mit Janat Harach zu besetzen, war leider kein guter ...
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Charpentiers «Louise», anno 1900 an der Pariser Opéra-comique uraufgeführt und in den folgenden Jahrzehnten rund tausendmal auf dem Spielplan des Theaters, konnte ihren Erfolg, wie manch andere Werke, nicht auf Dauer konservieren. Selbst in Frankreich hielt sich die Zahl der Neuinszenierungen in Grenzen, allerdings wuchs in der jüngeren Vergangenheit das Interesse...
Ist es Zufall, Schicksal, gar Fügung? Jedenfalls ist da schon wieder einer mit diesem Vornamen: Sebastian. Kein Heiliger, gewiss nicht, aber das sind auch die beiden anderen Schauspiel-Regisseure nicht, die dabei sind, das Musiktheater zu revolutionieren, Sebastian Baumgarten und Sebastian Nübling. Und fast scheint es, als ob die Gattung Oper, soeben vierhundert...
Die Edition Günter Hänssler hat mit ihrer Sammlung historischer Aufnahmen der Staatskapelle Dresden, in der die Oper eine wichtige Nebenrolle spielt, neue Standards gesetzt und nun mit der 16. und 19. Folge wahrhafte Schatzgräberarbeit geleistet: Die komplette «Katja Kabanova» von 1949 und der Querschnitt von Dvoráks «Der Jakobiner» sind zuvor noch nie...
