Expressive Gebärden
Für die Toulouser Neuproduktion von «Tristan und Isolde» baute Andreas Reinhardt eine dreiteilige Bühnenfläche bis nach vorn an die Rampe. Da sich der erste Akt bekanntlich auf dem Meer abspielt, wankten und schwankten die drei spitzwinkligen Formen mal weniger, mal heftiger, so dass man denken konnte, alsbald müssten die Protagonisten seekrank sein. Solche szenischen Ideen verbrauchen sich in der Regel rasch, sie wirken plötzlich albern. So ist es nicht verwunderlich, dass dem Zuschauer ein alter Schlager in den Sinn kam: der vom Seemann, den nichts erschüttern kann.
Nicolas Joel setzt als Regisseur gern auf Räume und Zeichen, wie schon in seiner «Frau ohne Schatten» (OW 3/2007). Auch beim «Tristan» verlässt sich Joel auf Signale des weitgehend entrümpelten Bühnenraumes. Sternenteppich im Liebesakt, ein schwarzer schwebender Felsbrocken im dritten Akt, der sich dann bei Isoldes Liebestod langsam als Grabstein auf den toten Helden niedersenkt. Personenregisseur ist Joel nur in Ansätzen. Er gestattet die expressive Gebärde. Die Gestik korrespondiert dabei stimmig mit dem expansiven Gestus der Musik. Die Figuren erscheinen trotz mancher Konventionalität so großformatig, wie es die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Oper birgt mehr Unwägbarkeiten für einen Betrieb als jede andere Kunstform. Die Wahl des Generalmusikdirektors oder der Generalmusikdirektorin gehört dabei gewiss zu den am meisten ins Gewicht fallenden Risiken. Das gilt für jedes Haus. Auch Opera Australia weiß davon ein Lied zu singen. Vor vier Jahren gab man voreilig Simone Young den Laufpass und bestimmte...
In den Garten am Hang hinterm Bungalow schüttet der Siegerland-Regen. Reinhard Goebel rutscht auf seinem Biedermeierstuhl herum. «Ich bin kein Opernmensch!», sagt der Mann, der gerade Michael Haydns Salzburger Festoper «Andromeda und Perseus» für die CD und Piccinnis «Catone in Utica» im Nationaltheater Mannheim dirigiert hat. Musikalische Vorlieben, wie sie Goebel...
Zum Kernrepertoire der Met zählt «Die ägyptische Helena» nicht gerade. Man muss bis 1928 zurückgehen, um auf die letzte Aufführung zu stoßen. In der Kritik hagelte es damals Verrisse, und an dieser Reserve hat sich in New York bis heute, da das Stück für Deborah Voigt wieder ausgegraben wurde, nichts geändert. Voigt ist eine Helena, die einem alten Film entstiegen...
