Irrungen und Wirrungen
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt? Die Erwartungen, die Operndirektorin Andrea Moses und ihr Dramaturg Michael Höppner den erstmals ausgetragenen «Weimarer Wochenenden für aktuelles Musiktheater» voranschickten, waren enorm: «Passion :SPIEL soll Labor, Werkstatt, Experimentierfeld, Recherche- und Forschungsanstalt, ein Institut für Zukunft sein - mit außergewöhnlichen Hör- und Seherfahrungen für das Publikum. Hier trifft opulentes Welttheater auf intimes Spiel, klingende Zeremonie auf rauschendes Fest. Spielerisch und leidenschaftlich.» Gut gesagt.
Doch schon im temporären Zuschnitt fiel der selbst formulierte Anspruch auf Aktualität weniger scharf aus. Denn auf die Gründerväter des Genres wollte man nicht verzichten, und so bildeten John Cage, Luciano Berio und Karlheinz Stockhausen gleichsam ein Gegengewicht zu den dekonstruktivistischen Neuerkundungen und interaktiven Installationsbegehungen der Jetztzeit.
Zwischen Winterende und Frühlingsanfang gelegen und damit mitten in der vorösterlichen Buß- und Fastenzeit (der orthographisch eigenwillige Festival-Titel deutet es an), ist «Passion:SPIEL» zugleich Pendant- und Konkurrenzformat zum spätsommerlichen «Kunstfest Weimar». ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Werner Kopfmüller
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Der rote Lappen ist unten, aber nicht ganz, deshalb können wir sehen, wie sich da, trippelnd und dehnend, eine Schauspieltruppe warmläuft. Die Musik, ein ohrenöffnendes Klarinettensolo, suggeriert Behaglichkeit: «Es war einmal». Das Auge aber hat sich einzustellen auf Theater im Theater in Neonrahmen (gebaut von Vincent Lemaire), alles in Anführungsstrichen...
Erstaunlich genug, aber das Schrifttum über Wolfgang Rihm ist recht begrenzt, obwohl er unbestritten zu den bedeutendsten Tonsetzern unserer Gegenwart zählt (OW 04/2022). Die Journalistin Eleonore Büning will nun Abhilfe schaffen. Ihr Buch deutet mit Bezug auf den gleichnamigen Titel einer Werkreihe Rihms an, dass es in «Über die Linie» auch ums kompositorische...
