Intensität durch Distanz
«Wir arme Leut’», singt Wozzeck, als der Hauptmann ihm Moral predigt. Ein Erniedrigter und Beleidigter. Alban Berg hat in seiner Vertonung von Büchners Fragment Armut und Verelendung ins Zentrum gestellt. Die Versuchung drängt sich auf, entweder Elendskitsch oder ein heutiges Hartz-IV-Drama in prekärem Milieu zu zeigen.
Regisseur Ingo Kerkhof ist im Kölner Palladium diesen Versuchungen aus dem Weg gegangen und hat mit kühler Konsequenz auf Reduktion und Ausnüchterung gesetzt.
Gisbert Jäkel hat ihm dazu in der ehemaligen Industriehalle eine tiefe, im hinteren Bereich stets dunkle Bühne gebaut. Bläuliches Licht erhellt die karge Szene: zwei Brecht-Vorhänge, ein Festzelt für die Wirtshausszene. Sonst nichts als ein paar Requisiten, die herein- und herausgetragen werden. Jessica Karges Kostüme zitieren eine nicht näher definierte (ländliche) Vergangenheit.
Kerkhofs Regie baut auf die Kunst des Weglassens. Das Programmheft zeigt auf Probenfotos noch einen blutverschmierten Wozzeck. Die Premiere kommt ohne Theaterblut aus, selbst das Messer fehlt: Wozzeck schiebt lediglich die bloße Hand unter Maries Kleid und tötet sie damit. Kerkhof konzentriert sich auf Wozzecks Innenleben, ohne die ...
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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Regine Müller
Kontinent Sciarrino» betitelten die Salzburger Festspiele 2008 ihre neunteilige, dem Schaffen Salvatore Sciarrinos gewidmete Veranstaltungsreihe. An der überragenden kreativen Originalität und Potenz dieses nach Luigi Nono wohl bedeutendsten italienischen Komponisten des letzten halben Jahrhunderts bestehen heute kaum mehr Zweifel. Wer allerdings seine Werke hören...
ARTE
1.7. – 6.00 Uhr
Carlos Kleiber dirigiert
Brahms: 4. Symphonie. Bayerisches Staatsorchester München.
3.7. – 10.00 Uhr
Offenbach: Orpheus in der Unterwelt.
Festival d’Aix-en-Provence 2009. Musikalische Leitung: Alain Altinoglu, Inszenierung: Yves Beaunesne. Solisten: Pauline Courtin, Julien Behr, Mathias Vidal, Vincent Deliau, Matrie Gautrot, Jérôme Billy, Paul...
Benjamin Brittens «War Requiem» erlebte seine Uraufführung anlässlich der Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung der im Zweiten Weltkrieg durch deutsche Luftangriffe (Deckname: «Unternehmen Mondscheinsonate»!) zerstörten Coventry-Cathedral. Es ist das Bekenntniswerk eines erklärten Pazifisten. Im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier wurde nun erstmals der Versuch...
