In den Ruinen der Wünsche
Ihm ging die rein musikalische Intelligenz ab, der Widerstand gegen das musikalisch Dumme», wetterte Theodor W. Adorno einst gegen Franz Schreker. Und: «Es ist Musik der Pubertät; selber einer pubertären Seelenlage entsprungen, auf sie eingestimmt, mit allem Trotz unbelehrbarer Reife.
» Das harsche Urteil verfehlte nicht seine Wirkung: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte der in der Weimarer Republik höchst erfolgreiche, in Nazi-Deutschland als «entartet» verfemte, 1934 in Berlin verstorbene österreichische Komponist zu den Personae non gratae einer ästhetischen Dogmatik, die sich musikalischen Fortschritt einzig im Anschluss an die Dodekaphonie Arnold Schönbergs vorstellen konnte. Wie weiträumig und wie lange Schreker aus dem öffentlichen Bewusstsein ausgeblendet blieb, belegt einmal mehr eine im Programmheft zu Nikolaus Lehnhoffs Salzburger Neuproduktion der Oper «Die Gezeichneten» (1918) abgedruckte Dokumentation zur Aufführungsgeschichte seiner Bühnenwerke: Von einigen konzertanten und wenigen szenischen Wiederbelebungsversuchen abgesehen, dominierte bis in die frühen achtziger Jahre hinein allgemeines Desinteresse.
Erst nachdem Michael Gielen und Hans Neuenfels 1979 in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Keinen Zweifel lassen der kanadische Dirigent Yves Abel und Stephen Medcalf, in vielen Inszenierungen ein Meister der psychologisch raffinierten Aussparung, an der Brutalität der Novelle Mérimées, die von Bizet keineswegs in jenen süßlichen Kitsch pseudospanischer Folklore übersetzt wurde, wie eine lange (schlechte) Tradition es gern sieht. Bizet komponiert Szenen...
Ein fast unbemerkter Abschied: Piero Cappuccillis letzter Auftritt in Berlin, Ende der neunziger Jahre in der Philharmonie, bei einem skurrilen Konzert, das ein ehemaliger Tänzer der Deutschen Oper arrangiert hatte. Der versuchte sich als Konzertveranstalter und ging auf Bauernfang: «Erleben Sie die Stars der Mailänder Scala», stand auf den Plakaten. Der Einzige,...
Diesmal konnte sich Staatsopern-Intendant Sir Peter nicht mit den Federn einer Münchner Händel-Erstaufführung schmücken, denn schon 1977 wagte sich das Gärtnerplatz-Theater an das Dramma per musica «Alcina». Auch die Inszenierung Christof Loys war bereits vor drei Jahren in Hamburg zu sehen (siehe OW 4/2002). Doch welch ein frischer Zauber wehte durch diese...
