Schuld und Sühne
Simon Boccanegra» gehört zu Verdis Schmerzenskindern. Die Uraufführung in Venedig 1857 war, in des Komponisten eigenen Worten, ein «Fiasko», und die Zweitfassung wurde 1881 in Mailand kaum besser aufgenommen. Die Zeitgenossen stießen sich an der wirren Handlung und am pessimistischen Ton der Musik.
Was Verdi an der Textvorlage des spanischen Dramatikers García Gutiérrez fesselte, war weniger die Geschichtschronik aus dem mittelalterlichen Genua als die tragische Unvereinbarkeit von Individuum und Gesellschaft: die Konfrontation Simones mit seinem Todfeind Jacopo Fiesco, der den niedriggeborenen Seeräuber, den Verführer seiner Tochter Maria, mit unauslöschlichem Hass verfolgt; die Suche Simones nach seiner eigenen Tochter, die er in Amelia wiederfindet; nicht zuletzt die Liebe Amelias zu Gabriele Adorno, die schließlich die feindlichen Lager versöhnt.
Stoff ist in «Simon Boccanegra» nur der an der Oberfläche der Handlung ablaufende Vorgang, musikalisches Drama, was auf das Innere der Figuren verweist. Wie unter einem rituellen Zwang memorieren Handlung und Musik darum dieselben Gesten und Zeichen. Das gibt der Musik des «Simon Boccanegra» einen Zug von Patchwork aus schroff, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sie hat nie Zeit. Sie zu treffen gleicht einem logistischen Kunststück. In ihren Siebzigern ist sie umtriebiger denn je. Sieben Tage in der Woche ist das Haus gefüllt mit Gesangsschülern: «Was soll ich denn am Sonntag tun, wenn ich keine Menschen um mich habe? Unterrichten macht viel mehr Spaß als Sport oder Spazierengehen.» (lacht) Nachwuchssängerinnen und...
Dominique Meyer, zur Zeit Direktor des Théâtre des Champs-Élysées in Paris, wird ab Herbst 2010 Staatsoperndirektor in Wien. Nach Willen von Kanzler Alfred Gusenbauer hätte Ioan Holenders Nachfolger eigentlich Startenor Neil Shicoff sein sollen, doch setzte sich die für diese Wahl eigentlich zuständige Kunstministerin Claudia Schmied durch. Der Diplomatensohn...
Die Tanzerei beginne, lässt sich der Chor vernehmen. Von wegen. Da ist in Freiburg das Dreisparten-Haus mit Tanztheater-Ausrichtung vor. Beinahe schon die Regel, dass ein Operneinsatz des Tanzensembles nicht vorgesehen ist. Andeutungsweise getanzt wird dennoch in dieser «Verkauften Braut». Ob aus Not oder konzeptioneller Überzeugung: Bernhard Moncados...
