Schuld und Sühne
Simon Boccanegra» gehört zu Verdis Schmerzenskindern. Die Uraufführung in Venedig 1857 war, in des Komponisten eigenen Worten, ein «Fiasko», und die Zweitfassung wurde 1881 in Mailand kaum besser aufgenommen. Die Zeitgenossen stießen sich an der wirren Handlung und am pessimistischen Ton der Musik.
Was Verdi an der Textvorlage des spanischen Dramatikers García Gutiérrez fesselte, war weniger die Geschichtschronik aus dem mittelalterlichen Genua als die tragische Unvereinbarkeit von Individuum und Gesellschaft: die Konfrontation Simones mit seinem Todfeind Jacopo Fiesco, der den niedriggeborenen Seeräuber, den Verführer seiner Tochter Maria, mit unauslöschlichem Hass verfolgt; die Suche Simones nach seiner eigenen Tochter, die er in Amelia wiederfindet; nicht zuletzt die Liebe Amelias zu Gabriele Adorno, die schließlich die feindlichen Lager versöhnt.
Stoff ist in «Simon Boccanegra» nur der an der Oberfläche der Handlung ablaufende Vorgang, musikalisches Drama, was auf das Innere der Figuren verweist. Wie unter einem rituellen Zwang memorieren Handlung und Musik darum dieselben Gesten und Zeichen. Das gibt der Musik des «Simon Boccanegra» einen Zug von Patchwork aus schroff, ...
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