IN ZÄRTLICHSTEN FARBEN
Richard Strauss war nicht nur als einer der Gründungsväter der GEMA Zeitgenosse der Zukunft, er führte auch das Lied aus der Intimität des Salons aufs Podium der Konzertsäle und damit ins Geschäftsleben. Natürlich tat er damit auch Pauline de Ahna, seiner Frau, einen Gefallen; er wollte, ja, musste sie promoten, um sich seine Seelenruhe zu erhalten. Zahlreiche seiner Liedschöpfungen haben andere Widmungsträger, doch wird das geliebte «Pauxerl» überall wie hinter Milchglas sichtbar.
Auch aus dieser Perspektive sind Strauss-Lieder durch ihre glänzende kompositorische Machart auf Wirkung hin geschneidert und bieten solchermaßen ein gutes Sprungbrett für vielversprechende Karrieren im Bereich des (weiblichen) Kunstliedgesangs. Eine solche dürfte Sheva Tehoval, der in Brüssel geborenen Tochter eines französischen Jazzmusikers, bevorstehen. Mit ihrem silbrig-kristallenen Timbre findet sie für jedes der von ihr interpretierten zwölf Strauss-Piecen den passenden Ton, die passende Farbe; mal zärtlich wie in «Die Nacht», mal triumphierend wie in «Glückes genug», mal melancholisch wie etwa in «Ach, Lieb’, ich muss nun scheiden». Vorzüglich gelingt ihr das Ausspinnen des Tons con un filo di ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Hören, sehen, lesen, Seite 34
von Gerhard Persché
Georg Friedrich Händels mehr als 40 Opern sind ein unerschöpfliches Reservoir für Recitals. Die barocke Da-capo-Arie war eine Schablone, aber in der Hand eines Ausnahmekönners wie Händel gebot sie über unbegrenzte Möglichkeiten, einen emotionalen Seelenzustand so unmittelbar in Musik auszudrücken, dass hinter dem Gesang ein Individuum, ein Gesicht sichtbar wurde...
Hybris tat noch keinem Herrscher gut. Auch der römische Kaiser Elagabal, der sich selbst für gottähnlich hält und seine Untertanen so lange unterdrückt, quält (und im Falle der stolzen Eritea sogar vergewaltigt), bis der Tyrannenmord, gleichsam als Ultima Ratio, unausweichlich wird, scheitert letztlich an dieser eklatanten Charakterschwäche. Hört man die Musik, mit...
Anlässlich des 50. Jahrestages des Kennedy Center hatte Francesco Zambella, Intendant der Washington National Opera, vier kurze Werke in Auftrag gegeben, die sich mit der Geschichte und Identität des Kennedy Center befassen sollten. Im Mittelpunkt stand dabei der Begriff des «Monuments» und damit die kontrovers diskutierte Frage, wie ein Gedenken an den Konflikt...
