In sich hineinhören

Ich stehe gemeinsam mit wenigen Musikerkollegen in der fast menschenleeren Philharmonie in Berlin. Ich, Kirill Petrenko am Pult und meine geschätzten Kollegen aus den Reihen der Berliner Philharmoniker. Ich singe den vierten Satz aus Mahlers 4. Symphonie. Corona-bedingt in der Fassung für Kammerorchester vor leeren Rängen. Ich weiß: Tausende Menschen hören mir an den Radiogeräten zu, sehen mich live im Fernsehen. Meine Gedanken gehören nur der Musik, meinen Musikerkollegen, meiner Stimme. Ich konzentriere mich auf die Worte, höre in mich hinein, verleihe dem Text meinen Geist.

Meine Musikerkollegen, ich und die Musik. Ich gebe mein Bestes: Ich gebe mich.

Die Kommentare in den sozialen Netzwerken und einigen Printmedien zu meinem Kleid, zur problematischen Ausleuchtung des Auditoriums, die Fragen zu meinen nackten Füßen: Sie spielen für mich keine Rolle. Nicht in diesem Moment und auch nicht danach.

Christiane Karg war die Solistin des diesjährigen Europa­konzerts der Berliner Philharmoniker. Die am Salzburger Mozarteum ausgebildete Sopranistin ist seit ihren Anfängen im Hamburger Opernstudio und Ensemble der Frankfurter Oper gleichermaßen im Musiktheater, auf dem Konzertpodium und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Wozu Musikkritik?, Seite 114
von Christiane Karg