In Mahlers Schatten

Eine erste umfassende Biografie erhellt die Karriere des Komponisten und Dirigenten Oskar Fried

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Wer sich erhofft, von den Gustav Mahler nahestehenden Dirigenten, die Ton -dokumente seiner Werke hinterlassen haben, Rückschlüsse auf eine Mahler-Tradition, einen charakteristischen Stil zu erhalten, wird enttäuscht. Zu unterschiedlich fallen beispielsweise die Aufnahmen der vierten Symphonie von Bruno Walter, Willem Mengelberg und Otto Klemperer aus.

Oskar Frieds akustische Aufnahme der Zweiten von 1924 – die erste einer vollständigen Mahler-Symphonie überhaupt – wiederum lässt eher eine markante Dirigentenpersönlichkeit durch das Trichterrauschen ahnen als einen Schatten von Mahlers Auffassung seiner Werke.

Für genau dieses Dokument erinnert man sich heute vor allem an Fried. Ansonsten weiß man viel weniger über seinen Lebensweg als die der anderen Mahler-Jünger, außer, dass er ein Vierteljahrhundert lang eine Berühmtheit gewesen ist – nicht zuletzt durch sein flamboyantes Auftreten mit lässig im Mundwinkel hängender Zigarette, markanten braungebrannten Zügen: Fried arbeitete leidenschaftlich im Garten seines Hauses in Berlin-Nikolassee. Lange Zeit etwa wurde kolportiert, er sei auf einer Moskauer Straße tot zusammengebrochen – dabei starb er bitterarm am 5. Juli 1941 in einem ...

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Opernwelt 2023
Rubrik: Magazin, Seite 93
von Götz Thieme

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