Liebesverzicht
Die deutschen Opernhäuser sind noch immer damit beschäftigt, den Stau der Corona-Jahre abzubauen. Frankfurt beendete die Saison mit einer Produktion von Frank Martins «Le Vin herbé», die gleichzeitig als «Neueinstudierung» und «Frankfurter szenische Erstaufführung» angekündigt war. Wie das, fragte sich der verdutzte Gast? Ursprünglich war für November 2020 der «Traumgörge» geplant. Pandemiebedingt wurde Zemlinskys Werk durch Martins «Le Vin herbé» ersetzt, das nach der Generalprobe selbst dem Lockdown zum Opfer fiel.
Damals bot sich diese Version des Tristan-Stoffs aufgrund ihrer reduzierten Besetzung als ideales Stück für die geforderten Abstandsregeln an. Willkommen ist die Aufführung des so eigen- wie einzigartigen weltlichen Oratoriums aber noch jetzt, denn was wir sehen, ist kein szenischer Kompromiss, sondern eine in ihrem magischen Minimalismus geradezu vollkommene Realisierung von Martins künstlerischer Vision eines Solitärs zwischen den Gattungen.
Mit dem Mut des Außenseiters griff Martin, einer der großen Unzeitgemäßen der Moderne, 1942 zu einem Stoff, von dem man geglaubt hätte, dass er durch Wagners «Tristan und Isolde» ein für allemal jeder weiteren Bearbeitung ...
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Opernwelt 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 46
von Uwe Schweikert
Ihrem Namen nach würde sie gut in Wagners «Ring» passen. Hulda, das klingt nach nordischer Mythologie, nach jenem «Ort», den der Gesamtkunstwerker gern aufsuchte, um sich für seine eigene «Kunstreligion» inspirieren zu lassen . Und in der Tat geht César Francks «Hulda», posthum in Monte Carlo uraufgeführt (1894), auf ein Drama des norwegischen Dichters und...
Der Satz ist beinahe schon ein Gedicht. Blumig-barock, beredt und beseelt von der Aura erlesener Formulierungskunst: «Wenn die Regeln des Umgangs nicht bloß Vorschriften einer konventionellen Höflichkeit oder gar einer gefährlichen Politik sein sollen, so müssen sie auf die Lehren von den Pflichten gegründet sein, die wir allen Arten Menschen schuldig sind, und...
Die Vorstellung einer «Kugelgestalt der Zeit», wie sie Bernd Alois Zimmermann in seiner mythenumwitterten Oper «Die Soldaten» zu realisieren gedachte, ist offensichtlich eine Steilvorlage: der Komponist als Medienkünstler oder zumindest als einer, der mit ihnen jongliert – «Architektur, Skulptur, Malerei, Musiktheater, Sprechtheater, Ballett, Film, Mikrophon,...
