In höchster Not
Gäbe es einen Superlativ zu dem Wort «zeitlos», er gebührte zweifellos «Othello». Denn das Sujet verbindet und trennt zwei Menschen, die qua Rasse oder Geschlecht prädestinierte Unterdrückungsopfer sind: Othello – als ein in venezianischen Diensten stehender Maure (also Afrikaner), der nur Anerkennung für seine militärischen Erfolge findet, aber gesellschaftlich isoliert bleibt – und Desdemona, Objekt tödlich endender männlicher Obsessionen.
Shakespeares 1604 uraufgeführter «Othello» war schon früh dessen erfolgreichstes Stück, wurde dann unaufhörlich neu interpretiert, 1887 auch von Verdis Librettisten Boito; in jüngerer Zeit erwies er sich besonders geeignet für antikolonialistisch und feministisch orientierte Regiearbeiten.
Auch die Oper Leipzig bedient diese Diskurse, scheitert aber daran, die menschliche Tragödie auf eine ideologische Bedeutungsebene zu verschieben. Dies verhindern Xavier Moreno und Iulia Maria Dan. Zwar artikuliert Morenos Otello anfangs zu vollmundig und Dans Desdemona zu scharfkantig, im Verlauf des Abends aber ersingen sich beide eine Spontaneität, die wunderbar mit ihrem schauspielerischen Können verschmilzt und das Mitgefühl der Zuhörerschaft geradezu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 30
von Volker Tarnow
Er will sie, er will ihn – und er will alles: So ist Eliogabalo, der ohne Zweifel verrückteste Kaiser im alten Rom. Als 14-Jähriger kam Varius Avitus Bassianus 218 n. Chr. auf den Thron, trieb sein Wesen und tat dies äußerst heftig, wenn auch nur kurz: Vier Jahre nach der Thronbesteigung hauchte er, von der Hand eines Mörders getroffen, sein Leben aus – später...
In Augsburg gibt es einige glänzende Räume: den Goldenen Saal im Rathaus, den kleinen Goldenen Saal des Jesuitenkollegs, in das Leopold Mozart zur Schule ging, den Festsaal im Schaezlerpalais, in dem Marie-Antoinette vor ihrer Hochzeit mit Ludwig XVI. eine Nacht durchtanzte. Sie alle blenden, obwohl aus unterschiedlichen Epochen, das Auge mit ihren Schnitzereien...
Es gibt Konzerte, von denen man recht früh weiß, dass man sie nicht vergessen wird. Manchmal werden solcher Art Ereignisse von Mesalliancen kontrapunktiert, die das Ganze aber gar nicht in ein dunkleres Licht ziehen. Und selten kommen beide Ereignisse in einer Erinnerung zusammen – und können ohne aneinander nicht sein, im positiven Sinne. Am 26. November 2022 gab...
