In der besten aller möglichen Welten
Auf die weit aufgerissene, bis zu den Brandmauern leere Bühne treten zu Leonard Bernsteins das Leben lobpreisender Ouvertüre allerhand Menschen in bunt-diverser Kleidung. Sie könnten sich gerade zu einer Chorprobe hier im Opernhaus versammeln, nehmen sie doch auf einer sich über die ganze Portalbreite ausdehnenden Stuhlreihe Platz und beobachten, was Einzelne von ihnen, die aus dem Kollektiv hervortreten, so zu singen haben. Die Ideen Voltaires haben hier so wenig Bedeutung wie die Umwälzungen der Aufklärung oder sonstige hehre philosophische Diskurse.
Gleichsam voraussetzungslos setzt der Abend ein, in maximaler Distanzierung zu Musik, Text und abenteuerlicher Handlung.
Regisseur Daniel Fish und sein Team –Bühnenbild: Andrew Lieberman und Perrine Villemur, Kostüme: Terese Wadden – wollen ihren Bernstein nicht «bedienen». An der Opéra de Lyon scheuen sie alles Revuehafte, Opulente, Fantastische, setzen vielmehr auf Askese in postmodern wie postdramatisch performativ ausgelegter Brecht’scher Verfremdung. Dieser Zugriff ist konsequent und streng durchgearbeitet; jedes Chormitglied hat den Ansatz körperlich für sich begriffen, die kleine Tanztruppe (Choreografie: Annie-B Parson) ...
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Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Peter Krause
Bereits im Vorwort seines berührenden Buches aus dem Jahr 2007 stellt Alexander Kluge klar, dass es ihm bei den 120 «Geschichten vom Kino» um das «Prinzip Kino» gehe, also um den erweiterten Begriff der Kunstgattung. Er halte dieses «Kino», schreibt Kluge, «für unsterblich und für älter als die Filmkunst», weil es auf einem zeitlosen Prinzip beruhe – darauf...
Die Szene kennt man so auch aus Barrie Koskys wegweisender Inszenierung von Wagners «Meistersingern» bei den Bayreuther Festspielen. Hermann Levi, der jüdische Uraufführungsdirigent des «Parsifal», wird vom Hofstaat des Komponisten gedemütigt: «Das Esszimmer der Wagners verzerrte sich in seinen Umrissen immer mehr und mehr zur bizarren Karikatur der Perspektiven...
Herr Rožeň, im Ausland werden Sie hauptsächlich als Dirigent für tschechische Musik wahrgenommen. Wie finden Sie das?
Ich denke, das ist ganz natürlich. Ein guter junger italienischer Dirigent wird zu Beginn seiner Karriere international hauptsächlich für italienisches Repertoire gebucht werden, ein tschechischer eben für tschechisches. Klar will ich nicht ewig in...
