Im Zeitraffer
Tristan stirbt. Nur wenige Augenblicke bleiben dem Verwundeten, um zu jener Hellsichtigkeit zu gelangen, die ihn reif für den ersehnten Übergang ins Totenreich macht. Nur ein Wimpernschlag, um sein ganzes Leben von Geburt an zu reflektieren und mit ihm abzuschließen. Denn um nichts anderes geht es in dem großen Auftritt, den Wagner im dritten «Tristan»-Akt seinem Helden zugedacht hat.
Am Deutschen Nationaltheater Weimar zeigt Karsten Wiegand, dass diese Zeit bis zu Tristans Bühnentod nichts anderes als jener Film ist, der in rasender Geschwindigkeit im Augenblick des Todes vor dem inneren Auge abläuft und bei Wagner in Form gedehnter Zeit wiedergegeben wird. Statt sich waidwund auf dem Krankenlager zu wälzen, durchschreitet Tristan mattgoldene Traumräume, in denen die Gestalten aus seinem Unterbewusstsein auf ihn warten und schwarze Hirten über ihre Schäfchen wachen. Jeder Schritt ein Stück Verarbeitung – eine überzeugende Idee, die zugleich die Bilder des Textes nutzt, um die einzelnen Phasen von Tristans Selbstfindungsprozess zu gliedern.
Dass dieser dritte Akt der Höhepunkt des neuen Weimarer «Tristan» ist, liegt jedoch auch an zwei anderen Beteiligten: am neuen GMD Stefan ...
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