Im Weihwasser ertrunken

Gounod: Faust an der Bayerischen Staatsoper München

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Kopf und Körper bandagiert, an den Rollstuhl gefesselt, Brille: Eine lebende Mumie ist dieser Mann, wie implantiert aus einem Beckett-Stück. Und auch die schnelle Verjüngung dank teuf -lischer Mächte ändert wenig: Aus diesem Endspiel in Kriegszeiten findet Faust nicht mehr heraus. Das Jenseits bleibt allgegenwärtig. Weiß Geschminkte wandeln wie lebende Tote durch einen Albtraum, gegen Ende fischt der Titelheld sein Baby aus einem Leichenhaufen, bevor er auf leerer Bühne verröchelt.

Einen «Faust II» kann es aus der Perspektive von Regisseurin Lotte de Beer folglich nicht geben. Kein final betender Titelheld, wie von Charles Gounod vorgesehen, auch kein Flüchtender an der Seite des Satans (wie bei Goethe), sondern der Sturz in die Ausweglosigkeit. Das Orgelgebrause der letzten Takte ist der zynische Soundtrack zum nihilistischen Geschehen. Vor allem aber konzentriert sich die Neuproduktion an der Bayerischen Staatsoper mehr als sonst auf Marguerite, auf eine Kindsmörderin wie aus Versehen: Um das Neugeborene vor der dunklen Macht zu retten, besprengt sie es mit Weihwasser – und versenkt es in ihrer Verwirrung in der Flüssigkeit. Ein paar schaurige Szenen gibt es also. Doch vieles ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Markus Thiel

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