Das Grauen geht weiter
Dieser «Wozzeck» ist ein Naturereignis – in doppeltem Sinne. Zum einen gilt das für die ganze Aufführung: Im Nu ist man gefangen in einer düsteren Phantasmagorie, einer dunklen Welt mystischen Leidens voll süßer Schmerzen und gruseliger Rätsel, in der Verschwisterung mittelalterlicher und neuzeitlicher, im wahrsten Sinne brand -aktueller Dystopien, die optisch an Netflix & Co. geschult sind.
Neunzig pausenlose, außerordentlich dichte Minuten lang hält einen dieses Geschehen gefangen.
Am Pult erzielt Vassilis Christopoulos als sorgfältiger Sachwalter von Alban Bergs zugleich genial gebauter und genial erfühlter Partitur mit klar ordnender Hand ein niemals gehetztes, aber doch zielstrebiges Vorwärts. Nicht jeder Ton der Grazer Philharmoniker gelingt perfekt, aber immer treffen sie den Ausdruck und haben die Instrumentalsoli Charakter. Auf die so erzielte Spannung reagiert das Premierenpublikum, indem es auch zwischen den Akten nicht zu applaudieren wagt. Da es auch in diesen Minipausen fast so schnell weitergeht wie von Szene zu Szene, erhält das Ganze eine filmische, quasi-realistische Konsequenz. Zum Naturereignis wird Evgeny Titovs Inszenierung aber auch, weil sie im ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Walter Weidringer
Entschlossen
Ein Tausendseitenroman auf der Theaterbühne? Für Ewelina Marciniak kein Problem. 2021 formte sie die «Jakobsbücher» ihrer Landsfrau Olga Tokarczuk zu einem spannenden Abend. Ohnehin scheut die polnische Regisseurin vor Großprojekten nicht zurück: In Bern hat sie Wagners «Ring» inszeniert, an der Staatsoper Stuttgart nimmt sie sich Poulencs Musikdrama...
Param Vir, indisch-britischer Komponist, ist schon 1992 bei der seinerzeit von Hans Werner Henze geleiteten Münchener Biennale in Erscheinung getreten mit zwei Operneinaktern, in denen es um buddhistische Fabeln ging. Danach erschienen im großen Abstand zwei weitere Musiktheaterwerke und nun in Bonn eine neue Oper über Siddhartha Gautama und seinen Weg zum Buddha....
Das Paradies? Nun ja, auf Erden wird man es vergebens suchen, dort, wo Lebewesen ihrer Identität häufig schon beraubt sind, noch bevor sie eine solche überhaupt entdecken und entwickeln können. Menschen wie Agnès, die im unschuldigen Alter von 14 Jahren von dem reichen «Protector» als Ehefrau vereinnahmt und in einen imaginären Glaskäfig gesteckt wurde, wo sie...
