Böse kann er besonders gut
Wir wissen nicht, ob es Sergei Leiferkus interessiert, dennoch sei es kurz erwähnt: Disney World Florida, ein riesiger Themenpark unweit der US-Stadt Orlando, plant eine neue Attraktion, genannt «Villain’s Land». Nicht nur spitzfindige Zeitgenossen mögen die Aktualität und Brisanz eines solchen Unterfangens im Zustand der Weltpolitik sehen: Villains scheinen zunehmend populär. Wann also eine «Schurkenwelt» als Show-Teil von Disneyworld etablieren, wenn nicht jetzt. Die Behauptung, der Teufel habe die bessere Musik, ist freilich weit älter.
Auch Sergei Leiferkus, der russische Bassbariton, geboren am 4. April 1946, hat den hohen theatralischen Wert des Bösewichts erkannt. In einem im Internet abrufbaren Interview bestätigt er freimütig, dass er seine berufliche Karriere vor allem den vermeintlich Bösen verdankt. Aber auch Leiferkus widmete sich anfangs durchaus den «nice guys» wie dem Valentin in Gounods «Faust» oder die Figuren Tomski und Jeletzki in Tschaikowskys Oper «Pique Dame». Schöne Töne ohne echten Kern, meinte er im erwähnten Interview. Daher rückten bald die Schurken in seinen Karriere-Fokus: Scarpia, Jago, Pizarro, Telramund, Alberich und andere. Die wahren Charaktere ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Magazin, Seite 92
von Gerhard Persché
Das ist ein mutiges Unterfangen für ein mittelgroßes Theater. Ulm hat es gewagt und Donizettis Tudor-Trilogie innerhalb von drei Spielzeiten auf die Bühne gebracht. Anthony Pilavachi sollte nicht nur «Anna Bolena» zum Auftakt 2024 inszenieren, sondern ursprünglich alle Königinnen-Dramen. Aus Dispositionsgründen waren nun drei verschiedene szenische Handschriften zu...
Herr Kerkhof, lieben Sie Beckett?
Aber ja, sogar sehr.
Warum?
Das lässt sich gar nicht so einfach sagen. Ich weiß nur, dass er mich seit vielen Jahren begleitet. Beckett war ein Autor, den ich als junger Mann unbedingt lesen und verstehen wollte.
Wann sind Sie seinen Stücken das erste Mal begegnet?
Mit 22, 23 Jahren. Wirklich wichtig wurde Beckett allerdings erst...
Kopf und Körper bandagiert, an den Rollstuhl gefesselt, Brille: Eine lebende Mumie ist dieser Mann, wie implantiert aus einem Beckett-Stück. Und auch die schnelle Verjüngung dank teuf -lischer Mächte ändert wenig: Aus diesem Endspiel in Kriegszeiten findet Faust nicht mehr heraus. Das Jenseits bleibt allgegenwärtig. Weiß Geschminkte wandeln wie lebende Tote durch...
