Im Rhythmus der Zeiten
Solch poesiegeladenes Lob ist selten: «Laura füllt schauspielerisch wirklich alles aus, sie könnte sogar ein Schnitzel spielen.» Sagt Chordirektor Joseph Feigl, ein gemütlicher Schnurrbartträger mit vergnügt funkelnden Augen und meint Laura Scherwitzl, die gerade für das Kinderstück «Bübchens Weihnachtstraum» von Engelbert Humperdinck auf der Bühne stand. Mit viel Frische und silbrigem Glockensopran spielt die Sopranistin darin einen kleinen Jungen, der von einem Engel mit großen schneeweißen Flügeln (Fernanda de Araujo) durch ein Weihnachtswunderland geführt wird.
Dort begegnet er dem Kind in der Krippe, Ochs und Esel und den heiligen drei Königen, samt ihrer Kamele. Ein bunt geschmücktes Weihnachtsbäumlein inklusive Gabentisch, tanzenden Schneeflocken am Kinderzimmerfenster und einer Discokugel, die Sterne in den Raum projiziert. Kurzum: verheißungsvolle Festlichkeit.
In melodiösem Märchenonkel-Ton deklamiert Joseph Feigl die Verserzählung und begleitet Laura Scherwitzl am Klavier. Die Chordamen des Hauses – jede eine Kerze in der Hand –geben dazu mit kammermusikalischer Zartheit den Engelschor. Im zu zwei Dritteln gefüllten Neubrandenburger Schauspielhaus stimmen an diesem ...
Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren.
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Reportage, Seite 54
von Anna Schors
Ist es möglich, denkbar, fühlbar? Eine Liebe, so glühend und intensiv, so weitreichend und existenziell, dass die Dichterin sie mit einer Farbe vergleicht, die es eigentlich gar nicht gibt? Wohl nur die (deutsche) Romantik vermochte solche Extreme zu formulieren, in ihrer Sehnsucht nach dem Unendlichen. Karoline von Günderode, die Frühvollendete (gerade mal 26...
Zur ohnehin spannungsgeladenen Handlung von Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» tritt eine reale Ungewissheit hinzu: Riccardo Chailly musste die zweite Vorstellung nach einem plötzlichen Unwohlsein abbrechen. Die dritte Aufführung jedoch leitet er wieder, und das so packend, dass die musikalische Seite den eigentlichen Kern dieser Saisoneröffnung an der...
Man staunt: Paul Abraham hat hier 1934 fast pures Frauentheater geschrieben. Nahezu alles, was die Handlung geschäftlich oder erotisch bewegt, wird in diesem sarkastischen Märchen von zarter und dennoch meist resoluter Hand gesteuert. Vielleicht haben der Komponist und seine Librettisten sich dabei im Umfeld beginnender antijüdischer Repressalien, von denen sie...
