Im Rhythmus der Zeiten

Im Sommer feiert das Landestheater Neustrelitz sein 250-jähriges Bestehen. Auch deswegen thematisiert man dort aktiv und mit politisch wachem Sinn Geschichte und Gegenwart des Dreispartenhauses

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Solch poesiegeladenes Lob ist selten: «Laura füllt schauspielerisch wirklich alles aus, sie könnte sogar ein Schnitzel spielen.» Sagt Chordirektor Joseph Feigl, ein gemütlicher Schnurrbartträger mit vergnügt funkelnden Augen und meint Laura Scherwitzl, die gerade für das Kinderstück «Bübchens Weihnachtstraum» von Engelbert Humperdinck auf der Bühne stand. Mit viel Frische und silbrigem Glockensopran spielt die Sopranistin darin einen kleinen Jungen, der von einem Engel mit großen schneeweißen Flügeln (Fernanda de Araujo) durch ein Weihnachtswunderland geführt wird.

Dort begegnet er dem Kind in der Krippe, Ochs und Esel und den heiligen drei Königen, samt ihrer Kamele. Ein bunt geschmücktes Weihnachtsbäumlein inklusive Gabentisch, tanzenden Schneeflocken am Kinderzimmerfenster und einer Discokugel, die Sterne in den Raum projiziert. Kurzum: verheißungsvolle Festlichkeit.

In melodiösem Märchenonkel-Ton deklamiert Joseph Feigl die Verserzählung und begleitet Laura Scherwitzl am Klavier. Die Chordamen des Hauses – jede eine Kerze in der Hand –geben dazu mit kammermusikalischer Zartheit den Engelschor. Im zu zwei Dritteln gefüllten Neubrandenburger Schauspielhaus stimmen an diesem ...

Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren.

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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Reportage, Seite 54
von Anna Schors

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