Appetitmacher
Man staunt: Paul Abraham hat hier 1934 fast pures Frauentheater geschrieben. Nahezu alles, was die Handlung geschäftlich oder erotisch bewegt, wird in diesem sarkastischen Märchen von zarter und dennoch meist resoluter Hand gesteuert. Vielleicht haben der Komponist und seine Librettisten sich dabei im Umfeld beginnender antijüdischer Repressalien, von denen sie alle betroffen waren, auch persönlich eine Welt geträumt, in der es empathischer zugehen könnte als in ihrem realen Dasein. Für den Moment allerdings begegneten sie der Situation mit gesteigerter komödiantischer Kreativität.
So versetzten sie die Wurzeln eines ins Exil getriebenen Adelsclans um die Infantin Isabella, gleichermaßen im Abstieg begriffen wie das titelgebende Hotel, nach Spanien und damit in ihre unmittelbare Gegenwart – die dortige Monarchie hatte 1931 tatsächlich abdanken müssen; vor allem aber verkoppelten sie diesen Plot mit einer Parallelhandlung im fernen Hollywood, wo die tränenfeuchte Vertreibungsstory kinematographisch ausgebeutet werden soll.
So gibt es nun gleich zwei Undercover-Missionierende: neben der Filmagentin einen vorerst als Zimmerkellner maskierten neureichen Bürgerspross, der sich der ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerald Felber
Ein Bild und seine Geschichte – mit diesem Untertitel hat der Verlag Schirmer/Mosel eine Reihe von schmalen Bändchen versehen, in dem ikonische Momente der Zeitgeschichte, Kunstwerke mit außerordentlichem Subund/oder Kontext vorgestellt werden. Dazu gehören bislang etwa die von Barbara Klemm festgehaltene Öffnung des Brandenburger Tors in Berlin am 22. Dezember...
Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» aus seinem Todesjahr 1643 hat es als einzige Oper aus der Frühzeit der Gattung zu weltweiter Popularität gebracht. Das gleichermaßen theatralisch fulminante wie respektlose Libretto mit seiner amoralischen Sex-and-Crime-Story aus dem alten Rom verabschiedet die gestelzte Mythologie und wendet sich erstmals auf der Opernbühne...
Der Tod kommt in Puccinis «La Bohème» erbarmungslos schlicht daher: ein knapper Harmoniewechsel ohne Trost und Verklärung. Als Mimì stirbt, fällt sie einfach vom Stuhl und bleibt zusammengekrümmt in der Mitte der Bühne liegen. Rodolfo und seine Künstlerfreunde werden in Hans Walter Richters Inszenierung mit der gesamten Kulisse von ihr weggerissen und ins...
