Die eine Farbe Rot
Ist es möglich, denkbar, fühlbar? Eine Liebe, so glühend und intensiv, so weitreichend und existenziell, dass die Dichterin sie mit einer Farbe vergleicht, die es eigentlich gar nicht gibt? Wohl nur die (deutsche) Romantik vermochte solche Extreme zu formulieren, in ihrer Sehnsucht nach dem Unendlichen. Karoline von Günderode, die Frühvollendete (gerade mal 26 Jahre war sie bei ihrem Tod), fasste dieses Verlangen in Verse, die noch heute unter die Haut kriechen, wo sie weiterkrabbeln und -kribbeln: «Du innig Roth, / Bis an den Tod / Soll meine Lieb Dir gleichen.
/ Soll nimmer bleichen, Bis an den Tod, Du glühend Roth, / Soll sie Dir gleichen».
Wolfgang Rihm hat Günderodes genialisches Gedicht «Hochrot» zu einem Lied vertont, das die düster-gespenstische Atmosphäre, in der das literarische Ich seine Empfindungen in Worte fasst, auf wundersame Weise versinnbildlicht. Nur zart hingetupfte Punkte, Striche und Linien werden über weite Strecken hör- und erfahrbar; ein Ungefähres, welches es dem Zuhörenden ermöglicht, in die (neo)romantische Welt einzutauchen. Eva Resch singt Rihms «Andeutungen« mit sanftem Nachdruck und feiner Emphase, und auch ihr Pianist Eric Schneider streichelt die ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Medien, Seite 37
von Virginie Germstein
Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» aus seinem Todesjahr 1643 hat es als einzige Oper aus der Frühzeit der Gattung zu weltweiter Popularität gebracht. Das gleichermaßen theatralisch fulminante wie respektlose Libretto mit seiner amoralischen Sex-and-Crime-Story aus dem alten Rom verabschiedet die gestelzte Mythologie und wendet sich erstmals auf der Opernbühne...
Männer sind einfach unersetzlich? Nun ja. Ob dem so ist oder nicht, liegt wohl in erster Linie an der Perspektive, aus der heraus man es betrachtet, also im Auge des oder der Betrachtenden. Die einen, zu denen vor allem Fans von Herbert Grönemeyer zählen, sagen so; die anderen, weit stärker einer evidenzbasierten Erkenntnis zugeneigt als dem Reich der blühenden...
Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab: Emigranten. / Das heißt doch Auswanderer. / […] Wir flohen. / Vertriebene sind wir, Verbannte. (Bertolt Brecht)
Rund 400.000 der Anfang 1933 in Deutschland lebenden Juden waren deutsche Staatsbürger, dazu kamen etwa 120.000 meist polnischstämmige Einwohner mit längeren Aufenthaltstiteln. Nach der Machtübernahe der...
