Die eine Farbe Rot
Ist es möglich, denkbar, fühlbar? Eine Liebe, so glühend und intensiv, so weitreichend und existenziell, dass die Dichterin sie mit einer Farbe vergleicht, die es eigentlich gar nicht gibt? Wohl nur die (deutsche) Romantik vermochte solche Extreme zu formulieren, in ihrer Sehnsucht nach dem Unendlichen. Karoline von Günderode, die Frühvollendete (gerade mal 26 Jahre war sie bei ihrem Tod), fasste dieses Verlangen in Verse, die noch heute unter die Haut kriechen, wo sie weiterkrabbeln und -kribbeln: «Du innig Roth, / Bis an den Tod / Soll meine Lieb Dir gleichen.
/ Soll nimmer bleichen, Bis an den Tod, Du glühend Roth, / Soll sie Dir gleichen».
Wolfgang Rihm hat Günderodes genialisches Gedicht «Hochrot» zu einem Lied vertont, das die düster-gespenstische Atmosphäre, in der das literarische Ich seine Empfindungen in Worte fasst, auf wundersame Weise versinnbildlicht. Nur zart hingetupfte Punkte, Striche und Linien werden über weite Strecken hör- und erfahrbar; ein Ungefähres, welches es dem Zuhörenden ermöglicht, in die (neo)romantische Welt einzutauchen. Eva Resch singt Rihms «Andeutungen« mit sanftem Nachdruck und feiner Emphase, und auch ihr Pianist Eric Schneider streichelt die ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Medien, Seite 37
von Virginie Germstein
Christoph Willibald Glucks «Orfeo» ist auf den Opernbühnen selten zu erleben – erstaunlich genug, wo sich doch die Wirkmacht dieser ersten großen Reformoper aus Glucks Wiener Zeit bis heute erhalten hat. Zugunsten des durchkomponierten Dramas, in dem nichts die Handlung aufhalten durfte, hatte sich der Komponist von der Nummernoper mit ihrem starren Schema aus...
Donnerstagmittag, 14:00 Uhr, es wird zeitgenössisches Musiktheater aufgeführt, und das Haus ist ausverkauft. Die Dresdnerinnen und Dresdner scheinen eine Verdauungsoper nach dem Mittagessen zu schätzen (selbst im Weihnachtsstress wenige Tage vor dem vierten Advent), vielleicht hat sich in der Stadt aber auch herumgesprochen, dass es mit Hans Abrahamsens «The Snow...
Füchse sind kaum zu domestizieren. Soll der Versuch auch nur ansatzweise gelingen, bedarf das Tier erheblicher Freiheiten. Der Förster in Janáčeks Oper zeigt sich bereit, der jungen Füchsin, die er gefangen hat, allerhand Lizenzen einzuräumen. Keine Frage, den Waidmann fasziniert, wie Füchslein Schlaukopf unter lauter domestizierten Wesen – gleich ob Mensch oder...
