Im Puppenheim
Die Räume im Palast mögen weiträumig sein, dennoch herrscht klaustrophobische Enge. Jedenfalls für Lisa. Die junge Frau steckt in einem Kinderzimmer fest wie in zu klein geratenen Kleidern. Dass ihre Puppen mitwuchsen, schränkt die ohnehin geringe Bewegungsfreiheit noch weiter ein. Lisa haust im Puppenheim. Infantilisiert, letztlich entmündigt. Den prospektiven Gemahl Jelezki hat sie nicht selbst erwählt. Während die überbehütete und bewachte Enkelin der Gräfin unter ihrer Einzwängung leidet, streunt Hermann am äußersten Rand der Adels- und Offizierswelt einher.
Beim Kartenspiel hohe Summen zu wagen, verspricht nicht allein Nervenkitzel, es ist für die blaublütigen Kombattanten auch eine Prestigeangelegenheit – und der bürger -liche Militäringenieur zum Zusehen verdammt. Aussichtslos, eine Dame der feinen Gesellschaft wie Lisa als Braut heimzu -führen ...
Regisseurin Marie Lambert-Le Bihan liegt nicht an der Poetisierung romantischer Liebe über Standesgrenzen hinweg. Die Klassengesellschaft ist in ihrer Inszenierung unerbittlich. Wer ihren Regeln nicht willfährig folgt, wird aussortiert. In den Suizid getrieben, auf dass die dünkelhafte Elite ihre Hände in Unschuld wasche. Die ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Michael Kaminski
Param Vir, indisch-britischer Komponist, ist schon 1992 bei der seinerzeit von Hans Werner Henze geleiteten Münchener Biennale in Erscheinung getreten mit zwei Operneinaktern, in denen es um buddhistische Fabeln ging. Danach erschienen im großen Abstand zwei weitere Musiktheaterwerke und nun in Bonn eine neue Oper über Siddhartha Gautama und seinen Weg zum Buddha....
Beginnen wir mit einer persönlichen Erinnerung – einer Begebenheit, die sich vor mehr als 25 Jahren zutrug. Es war Frühling in Buenos Aires. Die Jacaranda-Bäume am Rande der belebten Plazas blühten, auf den vierspurigen Avenidas küssten sich die Stoßstangen, und in den U-Bahnen stand man so hauteng beieinander, dass es schier unmöglich war, sich nicht in...
Kopf und Körper bandagiert, an den Rollstuhl gefesselt, Brille: Eine lebende Mumie ist dieser Mann, wie implantiert aus einem Beckett-Stück. Und auch die schnelle Verjüngung dank teuf -lischer Mächte ändert wenig: Aus diesem Endspiel in Kriegszeiten findet Faust nicht mehr heraus. Das Jenseits bleibt allgegenwärtig. Weiß Geschminkte wandeln wie lebende Tote durch...
