Im Puppenheim
Die Räume im Palast mögen weiträumig sein, dennoch herrscht klaustrophobische Enge. Jedenfalls für Lisa. Die junge Frau steckt in einem Kinderzimmer fest wie in zu klein geratenen Kleidern. Dass ihre Puppen mitwuchsen, schränkt die ohnehin geringe Bewegungsfreiheit noch weiter ein. Lisa haust im Puppenheim. Infantilisiert, letztlich entmündigt. Den prospektiven Gemahl Jelezki hat sie nicht selbst erwählt. Während die überbehütete und bewachte Enkelin der Gräfin unter ihrer Einzwängung leidet, streunt Hermann am äußersten Rand der Adels- und Offizierswelt einher.
Beim Kartenspiel hohe Summen zu wagen, verspricht nicht allein Nervenkitzel, es ist für die blaublütigen Kombattanten auch eine Prestigeangelegenheit – und der bürger -liche Militäringenieur zum Zusehen verdammt. Aussichtslos, eine Dame der feinen Gesellschaft wie Lisa als Braut heimzu -führen ...
Regisseurin Marie Lambert-Le Bihan liegt nicht an der Poetisierung romantischer Liebe über Standesgrenzen hinweg. Die Klassengesellschaft ist in ihrer Inszenierung unerbittlich. Wer ihren Regeln nicht willfährig folgt, wird aussortiert. In den Suizid getrieben, auf dass die dünkelhafte Elite ihre Hände in Unschuld wasche. Die ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Michael Kaminski
Dass seine einzige vollendete Oper mehr als ein Jahrhundert später eine derartige Brisanz entfalten würde, hätte sich Paul Dukas wohl kaum träumen lassen. Bis heute stellt «Ariane et Barbe-Bleue» der modernen Gesellschaft eine überaus präzise Diagnose. Das beweist Àlex Ollés Inszenierung am Teatro Real, die gnadenlos die Fassade von Gleichberechtigung und Wohlstand...
Die französischen Liedkomponisten zwischen Duparc und Poulenc, die über ihr Heimatland hinaus bekannt geworden sind, kann man an den Fingern einer Hand abzählen. Welch ungehobene Schätze sich dahinter verbergen, zeigen immer wieder CD-Veröffentlichungen, die von jenseits des Rheins kommen. Zwei junge Sopranistinnen – Julie Roset und Parveen Savart – machen da keine...
Draußen vor der Tür poltert die Tram über die Schienen, drinnen wartet einer vergebens darauf, dass sie kommt. Stattdessen pocht Fortuna an die Pforten, ganz vorsichtig, pianissimo, zugleich mit größter Intensität, con espressione und vom Orchester der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Michele Mariotti eindrücklich musiziert: wie ein Damoklesschwert aus...
