Im Puppenheim

Tschaikowsky: Pique Dame an der Opéra Royal de Wallonie Lüttich

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Die Räume im Palast mögen weiträumig sein, dennoch herrscht klaustrophobische Enge. Jedenfalls für Lisa. Die junge Frau steckt in einem Kinderzimmer fest wie in zu klein geratenen Kleidern. Dass ihre Puppen mitwuchsen, schränkt die ohnehin geringe Bewegungsfreiheit noch weiter ein. Lisa haust im Puppenheim. Infantilisiert, letztlich entmündigt. Den prospektiven Gemahl Jelezki hat sie nicht selbst erwählt. Während die überbehütete und bewachte Enkelin der Gräfin unter ihrer Einzwängung leidet, streunt Hermann am äußersten Rand der Adels- und Offizierswelt einher.

Beim Kartenspiel hohe Summen zu wagen, verspricht nicht allein Nervenkitzel, es ist für die blaublütigen Kombattanten auch eine Prestigeangelegenheit – und der bürger -liche Militäringenieur zum Zusehen verdammt. Aussichtslos, eine Dame der feinen Gesellschaft wie Lisa als Braut heimzu -führen ...

Regisseurin Marie Lambert-Le Bihan liegt nicht an der Poetisierung romantischer Liebe über Standesgrenzen hinweg. Die Klassengesellschaft ist in ihrer Inszenierung unerbittlich. Wer ihren Regeln nicht willfährig folgt, wird aussortiert. In den Suizid getrieben, auf dass die dünkelhafte Elite ihre Hände in Unschuld wasche. Die ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Michael Kaminski

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