Erschütternd
Lohnt das noch? Lohnt es sich, Dante-Gedichte zu vertonen, nachdem die Handlungsstränge seiner «Commedia» in den letzten 400 Jahren Operngeschichte von verschiedenen Komponisten bereits vielfach ausgeschmückt wurden und seine Verse doch bereits in Fleisch und Blut der Poesie jedes Landes übergegangen sind? Lucia Ronchetti, die sich in Europa bereits mit vielen bedeutenden Werken, darunter auch Opern, einen Namen gemacht hat, beantwortet die Frage mit einem klaren «Ja».
Bereits 2021, während der Pandemie, präsentierte sie ihre Auseinandersetzung mit Dantes Opus magnum in Frankfurt. Doch sowohl die Übersetzung der Verse ins Deutsche, das mit dem Italienischen phonetisch und rhetorisch wenig gemein hat, als auch die stark vereinfachten damaligen Aufführungsbestimmungen erlaubten keine angemessene Darstellung. Nun, da Dante in seine sprachliche Heimat zurückgekehrt ist, präsentiert Ronchetti eine fast zweistündige Opernfassung, in der Dantes Terzinen ein Finale mit Luzifer hinzugefügt wurde, das der Dichter Tiziano Scarpa mit makabren, verschrobenen, fast «horrorartigen» Versen versehen hat.
Ronchetti überlässt das magische Geflecht von Dantes Terzinen fast nie den Sängerinnen und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Alexej Parin
Mit dieser Helikoptermutter sollte man sich besser nicht anlegen. Die Titelheldin von Donizettis Komischer Oper «La Mamma!» ist eine echte Teufelsmama, die sofort die Krallen ausfährt, wenn es um den Nachwuchs geht. Um ihre Tochter, die gerade ihr erstes Engagement als Sopranistin antritt, in die beste Startposition zu bugsieren, mischt sie den Theaterbetrieb...
Man kann in der Weser baden. Man kann es auch sein lassen, denn sie ist wie jedes Gewässer dieser Art unberechenbar. Lastkähne ziehen ihre Kielspur durch den Strom, der schon mehrmals vertieft wurde, die Fließgeschwindigkeit ist hoch, die Verwirbelungen werden unterschätzt. Das alles hält Nadine Lehner nicht davon ab, am Strand beim Café Sand ins Wasser zu steigen....
Über die «Zauberflöte», möchte man meinen, ist (fast) alles gesagt. Dutzende Meter füllen die Regale öffentlicher wie privater Bibliotheken, und auch im spätmodernen Diskurs gab es in jüngerer Vergangenheit immer wieder Deutungsversuche, die Mozarts 1791 in die Musikwelt entsandtes Singspiel auf ein Libretto von Emanuel Schikaneder dem Geist der Zeit (und manchmal...
