Il trionfo del teatro e del bel canto
Draußen vor der Tür poltert die Tram über die Schienen, drinnen wartet einer vergebens darauf, dass sie kommt. Stattdessen pocht Fortuna an die Pforten, ganz vorsichtig, pianissimo, zugleich mit größter Intensität, con espressione und vom Orchester der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Michele Mariotti eindrücklich musiziert: wie ein Damoklesschwert aus Tönen.
Über staubtrockenen Staccato-Achteln und -Vierteln dringt, stetig crescendierend, eine punktierte Streicherlinie in der Schicksalstonart c-Moll durchs Dunkel und lässt schon zu diesem Zeitpunkt wenig Zweifel am tragischen Ausgang von Verdis «Luisa Miller» (der tragischer kaum sein könnte, das Stück endet, als Donnerhall aus der Hölle, in es-Moll). Doch hält die monothematisch gefasste Sinfonia noch ein weiteres Motiv bereit, und dies hat Verdi in seinem Melodramma tragico jenem Instrument überlassen, das auch im weiteren Verlauf für Luisas innere Stimme steht – der Klarinette. Später, im dritten Akt, wenn die Titelheldin auf nächtlich finsterer, fast komplett leerer Bühne (nur die weiße Kommode mit ihren Puppen steht noch am linken Rand) auf ihren verzweifelten Vater trifft, in einem anrührenden f-Moll-Andante schöne ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
Das Paradies? Nun ja, auf Erden wird man es vergebens suchen, dort, wo Lebewesen ihrer Identität häufig schon beraubt sind, noch bevor sie eine solche überhaupt entdecken und entwickeln können. Menschen wie Agnès, die im unschuldigen Alter von 14 Jahren von dem reichen «Protector» als Ehefrau vereinnahmt und in einen imaginären Glaskäfig gesteckt wurde, wo sie...
Oft sind es Standardsätze. Stereotype, die aufrichtig gemeint sein mögen, aber irgendwie doch nach Pflichterfüllung klingen. An seinem Todesdatum, es war der 17. Februar, und noch Tage danach schien es allerdings, als halte die Opernwelt den Atem an, nachzulesen nicht zuletzt auf Social Media. «He never left my heart», postete etwa Nathalie Stutzmann. «A giant of...
Höhere Mächte? Werden nicht sichtbar in der Oper «Rusalka». Wankelmütige Wasserwesen und finstere Frauengestalten hingegen schon. Und wenn gegen diese nichts mehr hilft, kann man immer noch Frau Luna droben am nächtlichen Firmament flehentlich anheulen. So naturschön, so inniglich-irrlichternd wie die trübselige Titelheldin von Dvořáks Musikdrama vermag dies kaum...
