Il trionfo del teatro e del bel canto

Wien huldigt dem Mutterland der Gattung: Die Staatsoper zeigt eine umstrittene Neuproduktion von Verdis «Luisa Miller» sowie Günter Krämers «Nabucco»-Lesart mit Anna Netrebko, das MusikTheater an der Wien holt Florian Leopold Gassmanns grandiose «L’Opera seria» nach 257 Jahren zurück in ihre Geburtsstadt

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Draußen vor der Tür poltert die Tram über die Schienen, drinnen wartet einer vergebens darauf, dass sie kommt. Stattdessen pocht Fortuna an die Pforten, ganz vorsichtig, pianissimo, zugleich mit größter Intensität, con espressione und vom Orchester der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Michele Mariotti eindrücklich musiziert: wie ein Damoklesschwert aus Tönen.

Über staubtrockenen Staccato-Achteln und -Vierteln dringt, stetig crescendierend, eine punktierte Streicherlinie in der Schicksalstonart c-Moll durchs Dunkel und lässt schon zu diesem Zeitpunkt wenig Zweifel am tragischen Ausgang von Verdis «Luisa Miller» (der tragischer kaum sein könnte, das Stück endet, als Donnerhall aus der Hölle, in es-Moll). Doch hält die monothematisch gefasste Sinfonia noch ein weiteres Motiv bereit, und dies hat Verdi in seinem Melodramma tragico jenem Instrument überlassen, das auch im weiteren Verlauf für Luisas innere Stimme steht – der Klarinette. Später, im dritten Akt, wenn die Titelheldin auf nächtlich finsterer, fast komplett leerer Bühne (nur die weiße Kommode mit ihren Puppen steht noch am linken Rand) auf ihren verzweifelten Vater trifft, in einem anrührenden f-Moll-Andante schöne ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten

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