Im Müll verloren
Was auf den ersten Blick wie ein verkaufsfördernder Marketingcoup des umtriebigen Erfurter Opernintendanten Guy Montavon wirkt, kann sich als herausforderndes Musiktheater sehen lassen. Montavon hat nämlich eine ungewöhnliche und durchaus riskante Doppelinszenierung gewagt. Humperdincks «Hänsel und Gretel» einmal weihnachtskompatibel – «wie immer» – und hinterdrein noch einmal als Hardcore-Version, wie noch nie gezeigt und demzufolge «nur für Erwachsene».
Damit bot die Oper neben der respektablen «Kunstleistung» zugleich Anlass und Anregung für eine breite Diskussion zum Thema Kindesmissbrauch, um den es ja in diesem wohl brutalsten Grimm’schen Märchen unter der romantisierten Oberfläche in Wirklichkeit geht. Regisseur Giancarlo del Monaco, dessen Markenzeichen bislang nicht die szenische Provokation zu sein schien, geht dabei bis an die Grenze des auf einer Bühne Vorführbaren. Dass das nicht im Eklat endet, sondern mit gespannter Aufmerksamkeit eines Publikums (in einer ausverkauften Repertoire-Vorstellung im Februar mit einem Traumaltersdurchschnitt von schätzungsweise dreißig) honoriert wird, ist letztlich der Ernsthaftigkeit des Umgangs mit dem Stück, der zumindest in ...
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Schmettern wie Metternich. Davon dürften viele geträumt haben, die das dramatische Baritonfach singen wollten. Einmal solche Töne rausschleudern wie Metternich am Ende des «Bajazzo»-Prologs oder im Te Deum des Scarpia. Doch wie Birgit Nilsson, Franco Corelli oder Leonie Rysanek war Metternich ein stimmlicher Sonderfall, nach den Regeln klassischer Gesangskunst und...
Vor dem schwarzen Vorhang das Vorspiel, von Dirigent Guido Mancusi betriebsam abgewickelt: Schicksalsmotiv der alten Gräfin, galoppierende Bläsersynkopen, das zerbröckelnde Liebesthema, der Nihilismus des «Pathethique»-Schlusses. Autobiografische Züge; eine jener musikalischen Masken, die der Komponist sich aufsetzte, um zu überleben.
Wenn der Lappen hochgeht und...
Der spanischen Sopranistin Maria Bayo, die in diesem Monat die Titelpartie in Hasses «Cleofide» an der Dresdner Semperoper singt, ist das Porträt dieses Heftes gewidmet. Weil sie eine renommierte Sängerin ist, kann sie sich leisten, Dinge zu sagen, die weniger souveräne Künstler der Branche lieber für sich behalten. Es sind elementare Dinge, die fast jede...
