Im Müll verloren

Das Opernhaus Erfurt gibt Humperdincks «Hänsel und Gretel» einmal für Kinder und einmal nur für Erwachsene

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Was auf den ersten Blick wie ein verkaufsfördernder Marketingcoup des um­triebigen Erfurter Opernintendanten Guy Montavon wirkt, kann sich als he­rausforderndes Musiktheater sehen lassen. Montavon hat nämlich eine ungewöhnliche und durchaus riskante Doppelinszenierung gewagt. Humperdincks «Hänsel und Gretel» einmal weihnachts­kompa­tibel – «wie immer» – und hinterdrein noch einmal als Hardcore-Version, wie noch nie gezeigt und demzufolge «nur für Erwachsene».

Damit bot die Oper neben der respektablen «Kunst­leis­tung» zugleich Anlass und Anregung für eine breite Diskussion zum Thema Kindesmissbrauch, um den es ja in diesem wohl brutalsten Grimm’schen Märchen unter der romantisierten Oberflä­che in Wirklichkeit geht. Regisseur Giancarlo del Monaco, dessen Markenzeichen bislang nicht die szenische Provokation zu sein schien, geht dabei bis an die Grenze des auf einer Bühne Vorführbaren. Dass das nicht im Eklat endet, sondern mit gespannter Aufmerksamkeit eines Publikums (in einer ausverkauften Repertoire-Vorstellung im Feb­ruar mit einem Traum­altersdurchschnitt von schätzungsweise dreißig) honoriert wird, ist letztlich der Ernsthaftigkeit des Umgangs mit dem Stück, der zumindest in ...

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Opernwelt April 2005
Rubrik: Magazin, Seite 23
von Joachim Lange

Vergriffen
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