Im Müll verloren
Was auf den ersten Blick wie ein verkaufsfördernder Marketingcoup des umtriebigen Erfurter Opernintendanten Guy Montavon wirkt, kann sich als herausforderndes Musiktheater sehen lassen. Montavon hat nämlich eine ungewöhnliche und durchaus riskante Doppelinszenierung gewagt. Humperdincks «Hänsel und Gretel» einmal weihnachtskompatibel – «wie immer» – und hinterdrein noch einmal als Hardcore-Version, wie noch nie gezeigt und demzufolge «nur für Erwachsene».
Damit bot die Oper neben der respektablen «Kunstleistung» zugleich Anlass und Anregung für eine breite Diskussion zum Thema Kindesmissbrauch, um den es ja in diesem wohl brutalsten Grimm’schen Märchen unter der romantisierten Oberfläche in Wirklichkeit geht. Regisseur Giancarlo del Monaco, dessen Markenzeichen bislang nicht die szenische Provokation zu sein schien, geht dabei bis an die Grenze des auf einer Bühne Vorführbaren. Dass das nicht im Eklat endet, sondern mit gespannter Aufmerksamkeit eines Publikums (in einer ausverkauften Repertoire-Vorstellung im Februar mit einem Traumaltersdurchschnitt von schätzungsweise dreißig) honoriert wird, ist letztlich der Ernsthaftigkeit des Umgangs mit dem Stück, der zumindest in ...
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Die Stimme der Stadtführerin steigt leicht und wirkt etwas ungehalten: «Der Balkan beginnt viel weiter unten. Wir hier haben immer zu Mitteleuropa gehört.» Klar, die Bemerkung aus der Reisegruppe war unpassend, wenn auch nicht untypisch: Sie hatte Zagreb schlicht dem Balkan zugeschlagen. Für solche geographisch-kulturelle Ignoranz hat man in Kroatien wenig...
Das hätte gerade noch gefehlt. Ein «gewisser Goethe aus Frankfurt, seiner Hantierung nach Dr. Jurist, 23 Jahre alt, einziger Sohn eines reichen Vaters» habe sich bei einem Ball auf dem Lande an sein Mädchen herangemacht, schrieb Johann Christian Kestner 1772 aus Wetzlar einem Freund. «Ich konnte erst nachkommen und ritt dahin. Mein Mädchen fuhr also in einer...
Dass Sergej Rachmaninows Puschkin-Adaption «The Miserly Knight» («Der geizige Ritter») im Repertoirebetrieb nie eine feste Größe wurde, dürfte kaum auf die musikalische Faktur des 1906 am Moskauer Bolschoi Theater uraufgeführten Einakters zurückzuführen sein. Denn zweifellos trägt diese – nach «Aleko» (1892) und zeitgleich mit «Francesca da Rimini» vollendete –...
