Editorial

Opernwelt - Logo

Der spanischen Sopranistin Maria Bayo, die in diesem Monat die Titelpartie in Hasses «Cleofide» an der Dresdner Semperoper singt, ist das Porträt dieses Heftes gewidmet. Weil sie eine renommierte Sängerin ist, kann sie sich leisten, Dinge zu sagen, die weniger souveräne Künstler der Branche lieber für sich ­behalten. Es sind elementare Dinge, die fast jede Karriere, jede Opernproduktion ­betreffen und bei denen weiterzudenken sich lohnt, gerade weil im Opernalltag dafür kaum Zeit ist.

Um nur ein Stichwort anzutippen: Was ist eigentlich ein «Fach»?
Zunächst mehr eine Sache der Rechtsprechung als der Kunst. Es gibt «eingeklagte Partien», Rollen also, wie sie im Standardwerk von Kloiber/Konold/Maschka aufgelistet sind für einzelne Stimmgattungen. Der lyrische Tenor singt von Belmonte bis Albert Herring. Wenn ihm ein Intendant den Alvaro aufdrücken will, um Geld für Gäste zu sparen, kann er sich juristisch wehren – sofern er einen «Fachvertrag» hat. Auch Gesangswettbewerbe kategorisieren ihre Pflichtarien gern nach «Fächern». Historisch gesehen kommen die «Fächer» aus dem Schauspiel: Dort gab es den jugendlichen Liebhaber, die komische Alte und den Helden schon lange, bevor das Schema ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2005
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sehnsucht nach Europa

Die Stimme der Stadtführerin steigt leicht und wirkt etwas ungehalten: «Der Balkan beginnt viel weiter unten. Wir hier haben immer zu Mitteleuropa ge­hört.» Klar, die Bemerkung aus der Reisegruppe war unpassend, wenn auch nicht untypisch: Sie hatte Zagreb schlicht dem Balkan zugeschlagen. Für solche geographisch-kulturelle Ignoranz hat man in Kroatien wenig...

Doppel ohne Substanz

Erstaunlich lange hat Berlin auf Claudio Monteverdi warten müssen. Während der legendäre Zürcher Zyklus von Nikolaus Harnoncourt und Jean-Pierre Ponnelle an fast allen Opernhäusern Europas als Initialzündung für eine Ausei­nander­setzung mit den Bühnenwerken Monteverdis in historisierendem Klangbild wirkte, ging diese Welle sowohl an der geteilten wie an der...

Wagner in Würzburg

In groß angelegten Biografien spielt Wagners Würzburger Jahr (Januar 1833 bis Januar 1834) meist nur eine untergeordnete Rolle: Als, laut eigener Aussage, dilettierender Chordirektor, lernte er den Repertoirebetrieb kennen. Theatermacher galten damals noch als eine Art Gaukler, und es sollte noch dauern, bis sie aus den unteren sozialen Schichten aufsteigen...