Im Korsett des anderen Konzepts
Da setzen zwei fränkische Theater fast zeitgleich Webers «Freischütz» auf den Spielplan, und beide Male fällt krankheitshalber der dafür engagierte Regisseur aus. Während in Würzburg als Einspringer Raik Knorscheidt mehr Zeit und zündende Einfälle hatte, um dem Konzept von Roland Velte (das dieser bereits 1994 in Halle realisiert hatte) den eigenen Stempel aufzudrücken, blieb Helen Malkowsky in Nürnberg in vier Wochen nur noch der undankbare Job, als Spielleiterin die von Uwe Eric Laufenberg konzipierte Aufführung achtbar zu retten.
Jammerschade, dass Intendant Wulf Konold diese Premiere nicht einfach verschoben hat. Denn dass die Nürnberger Oberspielleiterin durchaus mehr kann, bewies sie unlängst mit ihrer gut durchdachten, unter der Oberfläche durchaus auch bösen «Rosenkavalier»-Interpretation. Diesmal, im Korsett des anderen Konzepts und der zugehörigen Ausstattung, blieb alles halbgar und in Andeutungen stecken. Man spürt nur, was gemeint sein könnte, und das ist zu wenig. Die dunklen Seiten des Stücks sind auf allzu oberflächliche Effekte reduziert, die bunte, angeblich heile kleinbürgerliche Welt wird wenigstens zuweilen erfrischend auf die Schippe genommen. Die mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Frau Dasch, welche Bedeutung hatten die Eltern für Ihre Liebe zur Musik?
Für meine Eltern war Musik zentral. Sie hatten sich übers Singen kennengelernt, spielten Instrumente und lebten uns vor, dass gemeinsames Musizieren, egal auf welchem Niveau, Spaß macht. Von Familienfesten bis zu Weihnachtsgottesdiensten – es wurde keine Gelegenheit ausgelassen, ein...
Trotz des aufgebotenen Riesenorchesters ist die «Elektra» von Hofmannsthal und Strauss ein psychologisches Kammerspiel, dessen feine Nuancen nach dem aufmerksamen Kamera-Auge verlangen. Vier beinahe zeitgleich veröffentlichte DVD-Mitschnitte von Produktionen aus einem Vierteljahrhundert ziehen unsere Aufmerksamkeit auf dramatische und darstellerische Details, die...
Wenn die Unterwelt ihre Furien ausspuckt, die Erde zittert und der Himmel grollt, dann hat die Musik ihren großen Auftritt. Sie erledigt solche Ereignisse in wenigen Takten, meist sogar in wenigen Sekunden. Doch solche Sekunden haben es in sich. Da sackt plötzlich jede metrische Ordnung weg, und die Streichinstrumente donnern wuchtig, als wollten sie den Schlägen...
