Ideologisch überfrachtet
Dass sich eine Karotte zum Herrscher über ein ganzes Reich ausrufen lässt und dank eines bösen Zaubers so lange (leider auch miserabel) herrscht, bis sie, nun ja, welk wird: So eine Idee ist nicht untypisch für die satirische Bühnenwelt Jacques Offenbachs und seiner Librettisten. Dennoch gehört «Le Roi Carotte», vor dem Deutsch-Französischen Krieg 1869 begonnen, aber erst 1872 als Opéra-bouffe-féerie in Paris uraufgeführt, zu seinen selten gespielten Werken.
Zuviel des Absurden?
In Freiburg versucht Regisseur Tilman Knabe die Politparabel um Despotie und die Flucht einer Gesellschaft in Scheinwelten ins Hier und Heute zu übersetzen. Sein Karottenkönig ist keine orangene Allegorie mit grünem Haarschopf, sondern eine Donald Trump-Parodie mit roter Krawatte (Kostüme: Eva-Mareike Uhlig), einer der sich aufplustert, Stärke suggeriert, beim Kampf um die Macht am Ohr verletzt wird– und sich darob noch stärker zeigt.
Das funktioniert am Anfang ganz gut. Doch der Hang des Regisseurs, eine gute Idee mit vielen weiteren ideologisch zu überfrachten, schadet dem Abend latent. Überdies macht Junbum Lee aus dem Wurzelgemüse-Tyrannen eher eine weitgehend unverständlich brammelnde Klamauk -figur. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Alexander Dick
Wer schön sein will, sagt der Volksmund, muss leiden. Und wer wüsste das besser als Clorinda und Tisbe, die beiden «rechtmäßigen» Töchter Don Magnificos. Die Ouvertüre zu Rossinis Dramma giocoso zeigt sie bei morgendlichen Gymnastik-Übungen; angeleitet werden die beiden schläfrigen Damen von einem Tanzquartett, das in knappen weißen Trikots überaus gelenkig und mit...
Die Libretti der berühmtesten Opern Giacomo Puccinis werden häufig unterschätzt. Dabei sind die Szenen präzise, und die Musik folgt jeder Nuance. Etwa wenn Toscas Besänftigung wieder in die nächste Eifersuchtsattacke umkippt; wenn Mario Cavaradossi nicht ganz bei der Sache ist, sondern eine Spur abgelenkt; wenn Scarpia es sich in seiner abgrundtiefen Schlechtigkeit...
Was für ein famoses Experiment der Satire: Florian Leopold Gassmann wendet die Typenkomödie der Opera buffa, wie sie im Stegreiftheater der Commedia dell’Arte vorgebildet ist, auf die tragischen Heldengeschichten der Opera seria an. Letztere war anno 1769 zur Uraufführung von Gassmanns Satire «L’Opera Seria» am Burgtheater schon arg in die Jahre gekommen. Gluck...
