Im Delirium

Gounod: Faust
BIELEFELD | THEATER

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Der Theater- und zeitweilige Opernregisseur Michael Thalheimer hat einmal in kluger Differenzierung den Unterschied zwischen Idee und Einfall beschrieben. Einfälle, so Thalheimer, könnten noch so fantasievoll sein, eine Idee würden sie nicht zwingend generieren. Nun ist es keineswegs so, dass Tomo Sugao ohne Idee zu Gounods «Faust» bliebe (er hat eine, wenngleich eine sehr gewagte), doch schaufelt er diese in seiner Bielefelder Inszenierung so sehr mit Einfällen zu, dass man am Ende leicht verwirrt den Saal verlässt, weil man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr erkannt hat.

Gleichviel: Die Grundkonstante dieser Regiearbeit ist evident: Faust (Daniel Pataky singt ihn mit leuchtendem, höhensicherem Tenor) wird in jenem drehkreiselnden Spiegelvarietékabinett, das Timo Dentler und Okarina Peter auf die Bühne gehievt haben, in einen turbulenten Taumel aus vagierenden Vexierbildern hineingezogen. Kaum hat er diese Welt der flüchtigen Bilder betreten, gerät er ins Straucheln; seine ohnehin geliehene Identität verschwimmt zusehends; alles, was er sieht, sogar sich selbst, sieht er in vervielfältigter Weise. Faust ist mehrere Ichs, und so ist es auch das zarte Pflänzchen Marguerite (ein ...

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Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Jürgen Otten

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