Apropos... Verzierungen

Im 18. Jahrhundert war die Ausschmückung von Arien in der italienischen Oper gängige Praxis. Doch wie gehen Interpreten heute mit jenen meist improvisierten Zutaten um, mit denen die Stimmstars von damals ihr Virtuosentum demonstrierten? «Das Ornament gehört dem Solisten», sagt der argentinische Countertenor Franco Fagioli. Er sieht sich nicht als Neuerer, sondern als Nutznießer einer organischen Entwicklung von Monteverdi bis zum Verismo

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Herr Fagioli, kann man Verzieren lernen?
Ja, weil es Regeln folgt, die mit der Konstruktion von Harmonie und Melodie zu tun haben. Es macht aber einen Unterschied, wie man sie verwendet.  

Wie weit verlassen Sie sich dabei auf historische Quellen?
Etwa zur Hälfte, würde ich sagen. Eine ebenso große Rolle spielt aber meine eigene Interpretation. Ich lese Bücher dazu, aber dann muss ich mich freimachen für die eigene Kreativität.


Was ist Ihr Ziel, wenn Sie Fiorituren einsetzen?
Ich versuche damit in der Regel, einem einzelnen Wort größere Relevanz zu geben oder eine Emotion zu vergrößern, die die Figur erlebt. Jedenfalls geht es mir nicht nur darum, Virtuosität zu zeigen. Bei diesem Thema ist weniger manchmal mehr, sonst klingt es schnell oberflächlich oder unnatürlich. Deshalb ist es auch wichtig, dass Verzierungen so persönlich wie möglich sind. Im Kastratenzeitalter hatten alle Sänger eine entsprechende Ausbildung, spielten ein Instrument und wussten genug über Harmonie, Kontrapunkt und Komposition, um ihre eigenen Verzierungen gestalten zu können. Das Ornament gehört dem Solisten.     

Das heißt, Sie entwickeln Verzierungen nicht gemeinsam mit dem Dirigenten?
In der Gegenwart ...

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Opernwelt April 2020
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Michael Stallknecht

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