Wüstenritt
In der Wüste verstummt die Zivilisation. Nirgendwo ist man so gottverlassen – und Gott zugleich so nah. Eine mystische, todbringende Weite, die jene anzieht, die in der Enge der Welt keinen Platz finden. Für ihre Kammeroper «Song from the Uproar» ließ sich die US-amerikanische Komponistin Missy Mazzoli von der Lebensgeschichte der Wüstenreisenden Isabelle Eberhardt inspirieren. Ganz allein ritt die Schweizer Entdeckerin gegen Ende des 19.
Jahrhunderts auf einem Araberhengst durch die algerische Sahara, lebte mit Beduinen, konvertierte zum Islam, überlebte ein Attentat und kam 27-jährig in einer Sturzflut ums Leben. Das Kammerstück von 2012 destilliert aus diesen Stationen eine intime musikalische Zustandsbeschreibung, die einen tiefen Blick in ein gequältes, freiheitsdurstiges Herz wirft.
«I give myself to noone. I will pick my own song», singt sie: «Ich gebe mich niemandem hin. Ich werde mein eigenes Lied wählen». Isabelles Lied ist ein einsames, denn der Preis für Selbst -bestimmung – damals wie heute – ist hoch. Momenthaften Trost findet sie darin, ihr endliches Leben an der Unvergänglichkeit von Sand und Himmel zu messen: «Hier, wo Fußabdrücke Gräber auslöschen, sind diese ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Anna Schors
Der Protagonist als leuchtendes Vorbild? Zumindest der Beginn dieser Uraufführung, die sein Name titelgebend ziert, suggeriert dergleichen. Noch ist kein einziger Ton erklungen, da sieht man das Gesicht dieses Mannes. Geisterhaft hebt es sich aus einem Bühnendunkel ab, das sich dann nach und nach mit seiner Handschrift füllt, so als wären es vor allem Gedanken und...
Zwei Königinnen. Durch beider Adern fließt, wiewohl in unterschiedlicher Konsistenz, kobaltblaues Tudor-Blut, mithin der uneingeschränkte Wille zur Macht. Viel mehr als diese Neigung aber verbindet die Frauen nicht. Weder der Glaube (sei es der an Gott, den Allmächtigen, ans Leben selbst oder an die Liebe) noch die Weltanschauung. Maria Stuart, Schottlands...
Darüber, was Musik sein könnte, gingen die Meinungen schon immer auseinander. Mag sie ihrem Ursprung nach, als «mousiké», Musenkunst gewesen sein, differieren die Definitionen je nach Zeit, Perspektive und Autor. Für Schönberg bedeutete Musik eine Form mystischer Konsonanz mit dem Weltall, für den Experimentalpsychologen Steven Pinker ist sie kaum mehr als...
