Ideendrama
Ein Mann kehrt heim. Er ahnt, dass er getötet werden wird, und er wird getötet. So hat T. S. Eliot selbst den Inhalt seines Stücks «Murder in the Cathedral» zusammengefasst. Und hier liegt auch der Schlüssel zum Verständnis von dessen anti-dramatischer Natur. Angesichts der bösen Händel weltlicher Mächte muss der wahrhaft Gläubige (sei es die fromme griechische Antigone, sei es Christus) jederzeit mit dem Tod rechnen, ohne dass dieses Schicksal aktiv zu beeinflussen wäre. Idealer Stoff für eine Tragödie oder ein Mysterienspiel, kaum indes für eine Oper.
Eben dieser Herausforderung stellt sich Ildebrando Pizzetti 1956/57, damals bereits 77 Jahre alt, als er Eliots Stück auf Basis eines Librettos vertonte, das er aus der italienischen Übersetzung eines katholischen Geistlichen (Alberto Castelli) destilliert hatte. Knapp sieben Monate nach Fertigstellung der Partitur ging das Werk erstmals an der Scala über die Bühne.
Dass «Assassinio nella cattedrale» bald vom Spielplan des Mailänder Hauses verschwand, überrascht angesichts der spröden Faktur wenig. Nun wurde Pizzettis Eliot-Oper zum 100. Geburtstag des charismatischen Gianandrea Gavazzeni – der 1996 verstorbene Dirigent hatte die ...
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Polizeikordons in der Altstadt von Brno. Am Platz vor der Reduta, in der schon der elfjährige Mozart konzertiert hatte, sammelten sich Demonstranten, der milde Sonnenschein mochte so gar nicht mit der Aggression übereinstimmen, die in der Luft lag. Ein Tag im Mai, die Rechten wollten aufmarschieren, die Linken hatten viel dagegen. Der Platz war gut gewählt, gilt...
Er gehört zur Pioniergeneration der Wiederentdeckung der alten, vorbarocken Musik: Alfred Deller war der Erste, der die in England nie ganz ausgestorbene Stimme des männlichen Altus zu neuem Leben erweckte, und er ist bis heute einer der faszinierendsten Vertreter dieses Fachs geblieben. Als Michael Tippett ihn 1944 im Übungsraum der Chorschule in Canterbury hörte...
Der Himmel von Wolken grau verhangen. Der steife Wind jagt die Regenböen über die Förde: ein – fast möchte man sagen typisches – Mai-Wochenende in Kiel. Man kann den Seeleuten nachempfinden, dass es sie bei solchem Wetter in die Ferne zog, und man ist dem Opernhaus dankbar, dass es einlädt zu einem Ausflug ins sonnige Arabien. Mit einer Trouvaille obendrein.
Der...
