Tragische Fallhöhe

Leoncavallo: La Bohéme in Luzern

Opernwelt - Logo

Musetta kennt man als kokette, notorisch zickende Diva, die in Koloraturen zwitschert und auch sonst wenig Bodenhaftung hat. Bei Puccinis «La Bohème» ist sie eher eine Randfigur, die ab und zu mit ihrem Temperament die melancholische Melodienseligkeit der Oper aufwirbelt. Ruggero Leoncavallo hatte sich schon vorher für die Geschichten aus Henri Murgers 1848 in einem Journal erschienenen «Scènes de la Vie de bohème» interessiert, wurde aber schließlich bei der Vertonung des Stoffs vom Konkurrenten rechts überholt.

Erst fünfzehn Monate nach der Uraufführung von Puccinis Oper hatte Leoncavallos «La Bohème» Premiere – und erschien seitdem eher selten auf den Spielplänen. Verdient hätte es die vieraktige «Commedia lirica» allemal, wie die überzeugende Produktion am Luzerner Theater zeigt – und das nicht nur wegen der dramatisch aufgewerteten Partie der Musetta.
Tanja Ariane Baumgartner, die gerade als Gräfin Geschwitz in der Basler «Lulu» zu hören war, stattet die Partie mit dunklen, von Schmerzen erzählenden Mezzotönen aus. Sie steht im Zentrum dieser Oper, wenn sie im silbernen Glitzeranzug auf dem Billardtisch des Café Momus tanzt oder sich im dritten Akt mit klarer Stimme von ihrem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2009
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Georg Rudiger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Liebeskrank im Kleinflugzeug

Ob Ungarns derzeitiger Kultusminister István Hiller 2005 in Pécs war, als man dort das Trauerspiel «Uriel Acosta» des Berliners Karl Gutzkow (1811-1878) in neuer Übersetzung gab, wissen wir nicht. Doch das bekannteste Zitat daraus dürfte er kennen: «Alles schon da gewesen». Notorisch geläufig mag ihm der Spruch vielleicht auch im Zusammenhang mit der Budapester...

Krise als Chance

Herr Heppner, haben Sie sich mit dem Etikett vom Heldentenor abgefunden?
Das Problem bei diesem Begriff ist, dass die lyrische und damit vielleicht auch die gesangliche Komponente oft zu kurz greift. Heldisch, das suggeriert meist: laut und kraftvoll. Damit allein ist natürlich nichts gewonnen.

Geht es Ihnen um eine bestimmte Richtung von Gesangästhetik?
Zumindest...

Wandererfantasie

Das Leben? Man kommt nicht umhin, es als unendliches, unauflösbares Rätsel zu begreifen, als ewiges Enigma. Wer auch immer danach trachtet, Sinn oder Nicht-Sinn zu ergründen, muss letztlich erkennen, dass die entscheidenden Fragen nicht zu beantworten sind. Wer wäre imstande, die Rolle des Orakels zu übernehmen? Ist nicht jeder viel zu sehr mit sich selbst...