«Ich liebe das andere»
Frau Gens, darf ich Ihnen eine sehr persönliche Frage stellen?
Sie dürfen!
Wie ist Ihr Verhältnis zu Gott?
Ich bin katholisch, daher habe ich eine natürliche Verbindung zu dem Herrn «dort oben». Ich wurde im baptistischen Glauben erzogen und auch so getauft, was sehr speziell ist, bin aber in meinem Verhältnis zur Religion ganz «normal».
Da ich annehme, dass Poulencs «Dialogues des Carmélites» den Hintergrund Ihrer Frage bilden, kann ich Ihnen sagen: Ich fühle eine große Nähe zu diesem Bühnenwerk, und jedes Mal, wenn ich die Rolle der Madame Lidoine verkörpere, fühle ich eine große Empathie für diese Frau. Selbst wenn Sie nicht gläubig sind, macht das Stück etwas mit Ihnen – am Ende «fühlen» Sie etwas. Diese Musik ist so unglaublich stark, und das Schicksal der wahrhaft frommen Frauen bricht einem wirklich das Herz. Auf einem Pariser Friedhof sind die Namen der Opfer in einen Grabstein gemeißelt; das ist wirklich sehr berührend und authentisch, weil es sich stark unterscheidet von Opern wie beispielsweise «Le nozze di Figaro» oder «Così fan tutte», die frei erfunden sind. Die «Dialogues» basieren, wie Sie wissen, auf einer wahren Begebenheit aus der Zeit der Französischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 2023
Rubrik: Interview, Seite 58
von Jürgen Otten
Zwei Weltkriege, politische Umbrüche zuvor, eine sich wandelnde Welt, Kapitalismus, Kommunismus, nuklearer Waffeneinsatz, nukleare Unfälle – und nicht zuletzt die eingeleitete, verschuldete sowie bereits in den Anfängen ertragene Klimakatastrophe: Das 20. Jahrhundert war nicht eben arm an Ereignissen. Der Autor Stefan Weiss findet dafür beim musikwissenschaftlichen...
Die Vorstellung einer «Kugelgestalt der Zeit», wie sie Bernd Alois Zimmermann in seiner mythenumwitterten Oper «Die Soldaten» zu realisieren gedachte, ist offensichtlich eine Steilvorlage: der Komponist als Medienkünstler oder zumindest als einer, der mit ihnen jongliert – «Architektur, Skulptur, Malerei, Musiktheater, Sprechtheater, Ballett, Film, Mikrophon,...
360.000 US-Dollar sind eine Menge Geld. Man könnte damit beispielsweise eine vierköpfige Familie einige Jahre lang durchbringen. Oder sich ein Haus auf dem Land kaufen oder, wem es gefällt, einen schmucken Sportwagen, eine schicke Motoryacht. Für Anna Netrebko hat diese Summe jedoch eine ganz andere Bedeutung. Sie verlangt die umgerechnet 327.000 Euro als...
