«Ich habe nie einen Wotan abgesagt»
Herr Tomlinson, eine Ihrer überragenden Rollen war Hagen in Wagners «Götterdämmerung». Warum gerade ein solcher Fiesling?
Eben deswegen! Ich hatte, grundsätzlich gesprochen, für alle meine Rollen Sympathie. Sogar mit Claggart in Brittens «Billy Budd», der nun wahrlich böse ist. Auch für den Ochs im «Rosenkavalier» habe ich eine Schwäche. Der ist ein Kind der Natur – leichtsinnig und ein bisschen derb. Jede dieser Figuren birgt eine Geschichte, die sich nachvollziehen lässt.
Selbst Hagen?
Selbst Hagen! Er wurde für eine Aufgabe geboren, die er sich nicht selbst ausgesucht oder ausgedacht hat. Ich respektiere das. Es gibt da eine gewisse Ödnis, ein Talent zum Unglück. Genau das macht die Figur vielschichtig – und interessant. Ich glaube nicht, dass man Bösewichter nur finster gestalten sollte. Man sollte niemals mit bösen Absichten auf die Bühne gehen. Sondern mit einer Figur, mit der man sich identifizieren kann. Ich habe Mitgefühl mit meinen Figuren. Anders geht es nicht.
Ihre Stimme zeichnet sich durch eine angenehme Mischung aus Körnigkeit und Weichheit aus. Immer schon?
Ja. Ich glaube, so drückt sich die Körperlichkeit meiner Stimme aus. Ich versuche seit 50 Jahren, jeden Tag schön ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Interview, Seite 52
von Kai Luehrs-Kaiser
Seit der Uraufführung 1985 in Venedig ist Luigi Nonos «Prometeo» weltweit rund 70-mal gespielt worden; weitere Termine für die nächsten Jahre stehen an. Das durchaus monumentale Werk gehört zu den künstlerischen «Herausforderungen» des Musikbetriebs und bekommt damit auch für ein ohnehin aufgeschlossenes Publikum eine Aura von Ereignishaftigkeit, die sich von...
Impressum
56. Jahrgang, Nr 9/10
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752282
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 14.08.2015
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S....
Franz Schrekers 1912 uraufgeführte Oper «Der ferne Klang», in der der Komponist Fritz auf der Suche nach dem «rätselhaft weltfernen Klang» seine Geliebte Grete verlässt, das Leben versäumt und die Liebe verspielt, ist ein Schlüsselwerk des Fin de Siècle. Schreker hat in das selbstgedichtete Libretto alles gepackt, was im Wien der Jahrhundertwende aktuell war – den...
