«Ich bin ein Mezzo mit klangvoller Höhe»
Herr Jaroussky, Ihr neues Album ist eine Hommage an den Kastraten Giovanni Carestini…
Ich weiß schon, was Sie denken. Jetzt, wo gerade Cecilia Bartolis Malibran-Album und Juan Diego Florez’ Rubini-CD herausgekommen sind, wirkt das, als wäre es bloß ein prätentiöser Vermarktungstrick für ein Recital. Aber das ist nicht so: Der Plan zu diesem Album hat mich die letzten acht Jahre beschäftigt. So wie Cecilia Bartoli alles über Malibran gesammelt hat, habe ich inzwischen eine Art Carestini-Kollektion.
Vor allem habe ich selbst in den Bibliotheken etliche der Arien entdeckt, die ich auf dem Album singe – Grauns «Orfeo» zum Beispiel habe ich in der Berliner Staatsbibliothek aufgestöbert. Über die Jahre ist zwischen mir und ihm so etwas wie eine artifizielle Nähe entstanden.
Warum interessiert Sie gerade Carestini so sehr? Was unterscheidet ihn von Senesino oder Farinelli?
Für mich ist Carestini der Kastrat, der die Entwicklung des vokalen Stils im 18. Jahrhundert am nachhaltigsten beeinflusst hat. Schon sehr früh hat er mit den wichtigsten Komponisten seiner Zeit zusammengearbeitet. Händel und Vivaldi haben für ihn ebenso großartige Partien geschrieben wie später Hasse, Vinci und Porpora. ...
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