Zwei Ansichten

Ekkehard Pluta über die beiden Fassungen von Rossinis «Tancredi» mit Daniela Barcellona und Ewa Podles in Madrid

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Mit der heroischen Komödie «Tancredi», die er 1813 für Venedig schrieb, hatte der erst einundzwanzigjährige Rossini, wohl ohne es zu wissen, die Opera ­seria für sein Jahrhundert neu entdeckt und definiert. Ein heiterer, Dur-bestimmter Grundton durchzieht das fast durchweg ernste und dramatische Geschehen, das auf ein Trauerspiel von Voltaire (1760) zurückgeht.

Im Zentrum steht Amenaide, Tochter des Edelmanns Argirio aus Syrakus, die den verbannten Landsmann Tancredi liebt, aus politischen Gründen Orbazzano, das Oberhaupt einer bislang verfeindeten Familie, heiraten soll und zudem von dem ­Sarazenen Solamir, einem gefährlichen Kriegsgegner, als Friedenspfand zur Ehe angefordert wird. Ein Brief, den sie an Tancredi schreibt und der von Orbazzano abgefangen und als an Solamir gerichtet verstanden wird, bringt sie in den Verdacht der Konspiration mit dem Feind – und ins Gefängnis. Damit beginnt für sie ein wahres Martyrium, denn auch der inkognito zurückgekehrte Tancredi glaubt an ihre Untreue.
Rossini, noch völlig unverbraucht, in der ersten Blüte seiner Schaffenskraft, taucht dieses scheinbar ausweglose Geschehen in ein Meer von Kantilenen, und er war in gewissem Sinne konsequent, ...

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Opernwelt Februar 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Ekkehard Pluta

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