Hundsgemein?
In der Kurzgeschichte «Dog Days» erzählt US-Autorin Judy Budnitz auf nicht einmal acht DIN A4-Seiten vom Zerfall aller staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung. Das Desaster schleicht sich an mit Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit, es folgen Obdachlosigkeit und Flucht. Nach und nach bricht die Versorgung mit Strom, Kraftstoff, Lebensmitteln ein, während im menschlichen Umgang die Aggressionen in dem Maß zunehmen, in dem die Existenznot dringlicher wird – bis die Hungernden auch das letzte Tabu brechen und zu Kannibalen werden.
Das Erschreckende daran: Vieles ist längst Realität. Man muss nicht erst nach Syrien, nicht einmal Detroit oder Cleveland schauen, um erste Anzeichen eines Kollaps zu befürchten: Harte Verteilungskämpfe bestimmen längst die öffentliche Debatte.
Erzählt wird das alles jedoch mit äußerster Lakonie, aus der Perspektive eines jungen Mädchens namens Lisa. Das Geschehen kreist um sie, ihre Familie und den «Dog Man»; einen, der sich ein Hundefell übergezogen hat und auf allen Vieren kriecht. Das Dasein, reduziert aufs Elementare: Fressen und Überleben.
Die skizzenhafte Vorlage füllte Royce Vavrek für das Libretto mit «realistischen» Situationen auf. Da ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Ingo Dorfmüller
Wenn der Autor eines Textes über klassische Musik Engländer sei, stichelte der Dirigent James Levine einmal in einem Interview, könne man das auch ohne Namensangabe sofort erkennen. An den überschwänglichen Verweisen auf Bax, Delius, Tippett oder Brian. Oder auf Holst. Oder eben auf Ralph Vaughan Williams (1872-1958).
Letzterer, dem Nicht-Briten vor allem als...
Fortschritt oder Reaktion, einfach oder kompliziert? (Gewissens-)Fragen, die die Kulturgeschichte durchziehen. Arnold Schönberg, «konservativer Revolutionär», pries Brahms als «the progressive», hielt gleichwohl der Frage, ob er Wagnerianer oder Brahmsianer sei, trotzig weanerisch entgegen: «Ich bin Selberaner.» Und immer wieder erhebt sich das Bild des Januskopfs,...
Wolfram Koch stakst donquichotesk einher. Er führt seine allenthalben klappernde, raschelnde und knirschende Rüstung spazieren. Stapft und torkelt, stolpert und kriecht – ein krachblecherner König Artus, der England wider die eingefallenen Sachsen verteidigt und deren König Oswald obendrein die schöne, blinde Emmeline wieder abspenstig macht. Aber sie liebt ja...
