Hundsgemein?
In der Kurzgeschichte «Dog Days» erzählt US-Autorin Judy Budnitz auf nicht einmal acht DIN A4-Seiten vom Zerfall aller staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung. Das Desaster schleicht sich an mit Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit, es folgen Obdachlosigkeit und Flucht. Nach und nach bricht die Versorgung mit Strom, Kraftstoff, Lebensmitteln ein, während im menschlichen Umgang die Aggressionen in dem Maß zunehmen, in dem die Existenznot dringlicher wird – bis die Hungernden auch das letzte Tabu brechen und zu Kannibalen werden.
Das Erschreckende daran: Vieles ist längst Realität. Man muss nicht erst nach Syrien, nicht einmal Detroit oder Cleveland schauen, um erste Anzeichen eines Kollaps zu befürchten: Harte Verteilungskämpfe bestimmen längst die öffentliche Debatte.
Erzählt wird das alles jedoch mit äußerster Lakonie, aus der Perspektive eines jungen Mädchens namens Lisa. Das Geschehen kreist um sie, ihre Familie und den «Dog Man»; einen, der sich ein Hundefell übergezogen hat und auf allen Vieren kriecht. Das Dasein, reduziert aufs Elementare: Fressen und Überleben.
Die skizzenhafte Vorlage füllte Royce Vavrek für das Libretto mit «realistischen» Situationen auf. Da ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Ingo Dorfmüller
Seine genial simplen Klavierstücke, zumal die «Gymnopédies» und «Gnossiennes», kennt alle Welt. Unzählige Aufnahmen dokumentieren die zeitlose Popularität dieser aus der Zeit gefallenen Fingerübungen. Weniger ist mehr und langsam schöner als schnell, hatte Erik Satie da, noch vor der Wende zum 20. Jahrhundert, mit jeder Note gesagt. Der donnernd-virtuosen...
Dieser Name: Johannes Nicolaus Graf de la Fontaine und d’Harnoncourt-Unverzagt. Er will so gar nicht passen zu dem Mann, der von der Titelseite dieses Heftes ins Weite schaut. Dass er aus einem alten österreichischen Adelsgeschlecht stammte, war ihm so gleichgültig wie alles, was nach Konvention und Etikette roch. Ausgebeulte Hose, Gummistiefel, ein viel zu großer...
Herr Nikitin, vor knapp vier Jahren, nach Ihrer überstürzten Abreise aus Bayreuth, hatten Sie geschworen, nie wieder ein Interview zu geben ...
Ich war damals sehr wütend. Und diese Geschichte treibt mich immer noch um. Manchmal geht sie mir durch den Kopf, und der ganze Ärger steigt wieder auf. Die Art und Weise, wie ich da wegen eines längst «übermalten» Tattoos...
