Erratische Schönheit
Glöckchentöne einer Celesta. Gläserne Klangschlieren. Aus höchsten Fernen, raffiniert gemischt. Im ersten Moment ist kaum auszumachen, dass hier Piccoloflöten schwirren und Violinen flirren. So geht es los. Bald setzt die Stimme ein, behutsam, tastend, auf ruhigem Atem. «Let me tell you how it was», singt Barbara Hannigan, jeden Laut wägend, als suche ihr lyrisches Ich den Worten eine verlorene Bedeutung zu entwinden. Die Stimme gehört Ophelia aus «Hamlet».
2008 veröffentlichte der britische Musikpublizist Paul Griffiths einen literarischen Text, in dem er nur Wörter verwendet, die Ophelia in Shakespeares Drama spricht. Für den dänischen Komponisten Hans Abrahamsen destillierte er aus dem inneren Monolog das «Libretto» für einen Zyklus von sieben Orchesterliedern. Andris Nelsons hat das kurze Werk (Spieldauer: 32 Minuten) im Dezember 2013 mit den Berliner Philharmonikern und der kanadischen Sopranistin uraufgeführt.
Publikum und Kritik überschlugen sich (in seltener Einigkeit) vor Begeisterung; im Herbst vergangenen Jahres erhielt Abrahamsen (*1952), ein Schüler des gerade mit dem Siemens Musikpreis 2016 ausgezeichneten Per Nørgård, für «let me tell you» den mit 100 000 Dollar ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Albrecht Thiemann
Jubilare
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