Zwischen den Zehen ein Telefon

Neue Wege bei den Tiroler Festspielen in Erl: Claus Guth inszeniert «Herzog Blaubart» von Bartók und Francis Poulencs «La Voix humaine» als einen Thriller der Andeutungen. Ein Glücksfall, nicht nur wegen Barbara Hannigan

Opernwelt - Logo

Die letzten Tage wurde nochmal alles nach vorn geworfen. Zuvorderst der Intendant: Jonas Kaufmann jodelnd auf einer Almwiese oder plaudernd zwischen namentlich nicht genannten Kolleginnen und Kollegen; Barbara Hannigan staunend am Erler Wasserfall; schließlich der Regisseur selbst, der seine Protagonistin mit einem Ferrari vergleicht. Alles Social-Media-Videos, alle nur bedingt erfolgreich. Ein Werk des 20. Jahrhunderts, das ist in Erl – noch – Kassengift.

Schon bei George Benjamins «Picture a day like this» (die Produktion kam 2023 beim Festival d’Aix-en-Provence heraus und wurde an diverse Häuser weitergereicht) blieben einige Premierenplätze frei. Beim Doppelabend in diesem Jahr ist das kaum anders. Dabei kann die Aufführung mühelos gegen Anstrengungen in Aix, Salzburg oder bei der Ruhrtriennale bestehen. Auf die Koppelung von «Herzog Blaubarts Burg» und «La Voix humaine» sind gewiss schon andere gekommen. Und für das Bartók-Poulenc-Doppel Claus Guth zu holen, den Experten für Psychokisten und Freudianisches, liegt nicht so furchtbar fern. Doch hier bei den Tiroler Festspielen fügt sich alles zum Glücksfall. Auch weil sich Guth (keine Figurenvervielfältigung, keine Zeitsprünge) ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 46
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
O solitude, my sweetest choice

Singen hilft immer. Auch in den schwersten Momenten unseres Lebens, wenn der oder die Liebste für immer dahingegangen ist. «O let me weep, for ever weep» – so lautet die erste Zeile jener Gedichtvertonung, die in einer posthumen Aufführung von Henry Purcells Masque »The Fairy Queen» auf Shakespeares somnambule Komödie «A Midsummer Night’s Dream» anno 1698 im...

«Das Theater soll den Menschen dienen»

Sie singen und spielen im «Hotel Metamorphosis», dem Vivaldi-Pasticcio der Salzburger Festspiele, mit großem Aplomb Juno und Minerva. Macht es Spaß, Diva zu sein?
Natürlich! Ich fand es aber anfangs ungewöhnlich, so dominant zu sein. In einer Szene muss ich mit Cecilia Bartoli quasi singend kämpfen. Ich liebe und verehre sie, sie ist meine große Inspiration. Ich...

Gegen die Schatten der Vergangenheit

Wer sich mit Wagner auskennt, fürchtet sich nicht vor riesigen, ja, größenwahnsinnigen Projekten und weiß zudem, was die künstlerische Vision eines Einzelnen bewegen kann. Es war 2009, als der polnische Bassbariton Tomasz Konieczny bei einer konzertanten «Rheingold»- Aufführung in der Rolle des Alberich erstmals Aura und Akustik der damals szenisch noch...