Zwischen den Zehen ein Telefon
Die letzten Tage wurde nochmal alles nach vorn geworfen. Zuvorderst der Intendant: Jonas Kaufmann jodelnd auf einer Almwiese oder plaudernd zwischen namentlich nicht genannten Kolleginnen und Kollegen; Barbara Hannigan staunend am Erler Wasserfall; schließlich der Regisseur selbst, der seine Protagonistin mit einem Ferrari vergleicht. Alles Social-Media-Videos, alle nur bedingt erfolgreich. Ein Werk des 20. Jahrhunderts, das ist in Erl – noch – Kassengift.
Schon bei George Benjamins «Picture a day like this» (die Produktion kam 2023 beim Festival d’Aix-en-Provence heraus und wurde an diverse Häuser weitergereicht) blieben einige Premierenplätze frei. Beim Doppelabend in diesem Jahr ist das kaum anders. Dabei kann die Aufführung mühelos gegen Anstrengungen in Aix, Salzburg oder bei der Ruhrtriennale bestehen. Auf die Koppelung von «Herzog Blaubarts Burg» und «La Voix humaine» sind gewiss schon andere gekommen. Und für das Bartók-Poulenc-Doppel Claus Guth zu holen, den Experten für Psychokisten und Freudianisches, liegt nicht so furchtbar fern. Doch hier bei den Tiroler Festspielen fügt sich alles zum Glücksfall. Auch weil sich Guth (keine Figurenvervielfältigung, keine Zeitsprünge) ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 46
von Markus Thiel
Wer am Nachmittag vor der Vorstellung noch ein paar Kilometer auf dem Albschäferweg wandert, wähnt sich in einem nachgerade antikischen Arkadien. Da weht ein laues Lüftchen durch die sommerliche Heidelandschaft, die Herden der hier noch wie eh und je umherziehenden Wanderschäfer laufen einem über den Weg. Da will man doch gleich darüber sinnieren, ob das initiale...
Ein Blick in die Spielpläne genügt, um sicher zu sein: Das Leiden geht weiter. Auch in der gerade angelaufenen Saison betreten jene Frauen, die entweder im (Liebes-) Wahnsinn enden, an Schwindsucht und Auszehrungen anderer Arten sterben oder selbstbestimmt den (heroischen) Freitod wählen, wieder die Bühnen der Welt und versetzen das Publikum in aristotelische...
Etwas ist anders als sonst. Etwas, das sich mit Worten nur schwer beschreiben lässt, aber in vielen Momenten spürbar wird, mal in einem vertraulichen Gespräch, mal beim Gang in eines der Theater der Stadt, mal in dem Augenblick, wenn sich der Vorhang hebt. Und mal einfach so: Der Chef fehlt. Und damit Hirn, Herz und Seele des Festivals d’Aix-en-Provence. Pierre...
